Zusammenstöße bei israelischem Mauerbau im Westjordanland

30. August 2015, 16:43
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Palästinensische Christen wehren sich gegen Zerstörung ihrer Olivenbäume und werden mit Tränengas und Schockgranaten vertrieben

Beit Jala – Die israelische Armee ist am Sonntag gegen Demonstranten aus dem christlichen Palästinenserdorf Beit Jala bei Bethlehem vorgegangen, das sich gegen den Weiterbau der Sperranlage wehrt.

Dutzende Palästinenser zogen, unterstützt von ausländischen Christen und Kirchenvertretern, zu der Stelle, auf der Planierraupen unter militärischem Schutz vor zwei Wochen uralte Olivenbäume zerstört hatten, um den Weiterbau der Sperranlage vorzubereiten.

Als die Prozession unter Gebeten und Kirchengesängen an der Baustelle ankam, wurde sie unter Einsatz von Tränengas und Schockgranaten aufgelöst. Nach Angaben der Polizei wurden danach zwei Demonstranten wegen Steinwürfen festgenommen. Jerusalems katholischer Alt-Patriarch Michel Sabbah sagte in einer Ansprache: "Diese Felder gehören uns, was auch immer die Israelis unternehmen, was auch immer ihre Gerichte sagen, dieses Land gehört uns, und wir werden wiederkommen."

Mauer nicht entlang der anerkannten Grenze

Israel hatte 2002 auf dem Höhepunkt der Zweiten Intifada, die 2005 endete, mit dem Bau der Sperranlage begonnen, die am Ende 712 Kilometer lang sein soll und inzwischen zu zwei Dritteln fertiggestellt ist. Etwa 85 Prozent der Mauern und Sicherheitszäune verlaufen nicht entlang der international anerkannten Grenze zwischen Israel und dem besetzten Westjordanland, sondern schneiden etwa 9,4 Prozent des Palästinensergebietes ab.

Die Fertigstellung der etwa acht Meter hohen Mauer bei Beit Jala und durch das dort beginnende Cremisan-Tal stößt seit Jahren auf erbitterten Widerstand der Bewohner, die den Bau lange auf dem Rechtsweg zu verhindern suchten. Auch der Papst setzte sich für die örtliche Gemeinde ein, zumal der Plan vorsah, die Mauer quer durch das Gelände des Cremisan-Klosters und eines benachbarten Nonnenkonvents zu errichten, die beide zum Salesianerorden gehören.

Nachdem der Oberste Gerichtshof Anfang April zugunsten der Mönche und Nonnen entschied, erlaubte diese letzte Instanz am 6. Juli den Bau eines benachbarten Teilstücks durch Olivenhaine von Bauern aus Beit Jala. Der Gerichtshof präzisierte, das Bauverbot habe nur für ein wenige hundert Meter langes Stück auf dem Klostergelände gegolten. Dort müsse das Verteidigungsministerium andere Lösungen entwickeln. (APA, 30.8.2015)

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