FPÖ-Wahlkampfauftakt: Blauer Jubel im Heimat-Trubel

29. August 2015, 12:28
149 Postings

Die Blauen nehmen in Wels mit deutlichem Wien-Bezug den zweiten Platz in Angriff

Linz – Die FPÖ mag es in wahlentscheidenden Zeiten gerne deftig. Leberkässemmerl, Frankfurter, Schnitzelsemmerl, Gerstensaft, Mitgrölgarantie dank der "Mühlviertler Quetschn'-Rocker" und ein blauer Rundumschlag für die übrige Parteienlandschaft. Fehlen dürfte beim Auftakt natürlich auch nicht Bundesparteiobmann HC Strache. Dieser absolviert in den nächsten zwei Wochen gleich 14 Auftritte in Oberösterreich. Die rund 4000 Besucher beim offiziellen blauen Wahlkampfauftakt am Welser Minoritenplatz zeigten sich auf jeden Fall mit dem klassischen FPÖ-Ambiente hörbar zufrieden. Eine überschaubare Menge an Gegendemonstranten mit Plakaten "Grenzen dicht machen ist Mord, 71 Tote mahnen" positionierte sich, gut bewacht von Sicherheitsleuten, in unmittelbarer Nähe des Festzeltes.

werner dedl

Der blaue Bürgermeisterkandidat für Wels, Andreas Rabl, bringt gleich zu Beginn der Veranstaltung das blaue Kernthema Asyl auf den Biertisch: "In den Welser Schulen heißt es nicht mehr 'Ich habe mein Schulheft vergessen' sondern 'Ich Heft nix da'". Und ganz klar: "Wer in Zukunft kein Deutsch spricht, der bekommt auch keine Wohnung." Tosender Applaus, Bravo-Rufe, "Zicke, Zacke HC"-Chöre – und die Quetschn'-Rocker heizen ein: "Aufstehen, aufstehen – wer sitzen bleibt is' schiach".

Haimbuchner zitiert Kennedy

Oberösterreichs blauer Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner sprühte gleich zu Beginn seiner Rede vor Selbstvertrauen und stellte mit einem Kennedy-Zitat klar: "Wann, wenn nicht jetzt – wo, wenn nicht hier – wer, wenn nicht wir." Man schäme sich bei der FPÖ nicht, "das Wort Heimat in den Mund zu nehmen. In der aktuellen "Asylkrise" ist für Haimbuchner eines klar: "Mikl-Leitner wirft den langen Schatten der Inkompetenz über das Land. Aber wenn die Sonne tief steht, dann werfen auch Zwerge Schatten."

Die Völkerwanderung und "vor allem auch so schreckliche Ereignisse wie zuletzt auf der A4" brächten das Land "ins Kippen". Haimbuchner: "Aber ganz klar: Das Boot ist voll. Es ist doch grotesk: Wer sich frech an keine Regeln hält und einfach einwandert, wird mit offenen Armen empfangen." Die FPÖ betreibe aber "keine Hetze". Haimbuchner: "Wir verbreiten keine Angst, die Menschen haben Angst. Die FPÖ bringt den positiven Wandel in Oberösterreich".

Üblicher Watschentanz

Bundesparteiobmann Strache kam quasi direkt vom höchsten Berg Österreichs nach Wels: "Ich habe mit lieben Freunden den Großglockner bestiegen. Ein tolles Erlebnis, wenn man so unmittelbar sieht, wie schön unsere Heimat ist." Überhaupt schien Strache in Wels noch im Ferien-Modus zu sein. Viele hatten angesichts der Wien-Wahl mit einer besonders angriffigen Rede gerechnet. Geworden ist es aber der bekannte blaue Watschentanz für politische Mitbewerber, Medien und Asylwerber – diesmal ziemlich lustlos dargeboten. Das politische Ziel hat Strache aber noch im Auge: "Wir werden am 27. September in Oberösterreich ein historisches Ergebnis einfahren. Und: Lieber Manfred, ich folge dir bei der Wienwahl am 11. Oktober."

Die 71 getöteten Flüchtlinge, die am Donnerstag in einem Lkw auf der A4 im Burgenland gefunden wurden, seien, so Strache, "von Schleppern eiskalt ermordet worden" und es mache dieser tragische Vorfall das Versagen der Politik deutlich: "Diese armen Teufel könnten heute noch leben, wenn wir entsprechende Grenzkontrollen hätten." (Markus Rohrhofer, 29.08.2015)

  • Parteiobmann Heinz-Christian Strache und Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner beim Wahlkampfauftakt im Bierzelt.
    foto: werner dedl

    Parteiobmann Heinz-Christian Strache und Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner beim Wahlkampfauftakt im Bierzelt.

Share if you care.