Polizei nimmt Verdächtigen des Bangkok-Attentats fest

30. August 2015, 12:42
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Polizei in Thailand hält "persönliches" Motiv für wahrscheinlich

Bangkok – Fast zwei Wochen nach dem Bombenattentat mit 20 Toten in Bangkok hat die Polizei einen ersten Tatverdächtigen festgenommen. Der Festgenommene besitze "zahlreiche Pässe", sagte ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte am Samstag in Bangkok.

Erste Angaben des Militärs, es handle sich um einen 28-jährigen Türken, wurden wieder zurückgezogen.

Die türkische Botschaft habe Zweifel an der Nationalität des Mannes angemeldet, berichtete die Zeitung "Nation" unter Berufung auf den Polizeisprecher Prawut Thavornsiri. Der türkische Pass, der bei der Festnahme am Samstag bei dem Mann gefunden wurde, war gefälscht. Untern anderem stand darin statt "Ausstellungsdatum" und "gültig bis" zweimal "gültig bis".

Weitere Verdächtige

Die Polizei hatte ihn am Samstag bei einer Großrazzia in einem östlichen Stadtteil von Bangkok festgenommen. Daran waren rund hundert Polizisten und Soldaten beteiligt, darunter ein Dutzend Sprengstoffexperten. In seiner Wohnung wurden Material zum Bau von Bomben beschlagnahmt sowie mehrere türkische Pässe, bei denen es sich aber um Fälschungen handeln soll.

Der Verdächtige sei vermutlich Mitglied einer Menschenschmugglerbande gewesen, sagte Polizeichef Prawut dem Sender Channel 3. Die Gang soll Einwanderer mit gefälschten Pässen versorgt haben. Die Bande "war unzufrieden, dass die Polizei illegal Eingewanderte festgenommen hat", sagte Prawut in dem Telefoninterview ohne weitere Erläuterung.

In der Wohnung des Mannes wurde umfangreiches Material zum Bombenbau sichergestellt. Es ist unklar, ob der Verdächtige den Beamten neue Informationen lieferte. Wie Anwohner Reuters sagten, lebte der Verdächtige mit einem anderen Mann zusammen. Die Polizei sucht daher nach einem weiteren Verdächtigen. Dies kündigte Vize-Polizeichef Chaktip Chaijinda am Sonntag im Fernsehen an.

Bisher hat niemand die Verantwortung für die Tat am 17. August übernommen. Bei dem schwersten Anschlag in der Geschichte des Landes starben 20 Menschen, darunter 14 Ausländer. Die thailändische Polizei erklärte es jedoch für unwahrscheinlich, dass der Verdächtige als "internationaler Terrorist" tätig geworden sei, vielmehr habe er ein "persönliches" Motiv gehabt.

Überwachungskamera filmt Verdächtigen

Als Hauptverdächtiger des Anschlags gilt ein Mann in einem gelben T-Shirt, der auf Bildern von Überwachungskameras zu sehen ist. Er wurde dabei gefilmt, wie er kurz vor dem Anschlag einen Rucksack unter einer Bank an dem Schrein platzierte. Vizepolizeichef Chaktip Chaijinda sagte, es sei "noch nicht klar", ob der nun festgenommene Türke mit dem Mann auf den Bildern der Überwachungskameras identisch sei. Die Polizei gehe aber davon aus, dass er "in das Bombenattentat verwickelt" gewesen sei.

Bei der Suche nach dem Motiv für den Anschlag war in den vergangenen Tagen wiederholt das Schicksal der muslimischen Minderheit der Uiguren in China zur Sprache gekommen. Der Sicherheitsexperte Anthony Davis wies darauf hin, dass sich die rechtsextreme türkische Bewegung der Grauen Wölfe in den vergangenen Jahren für die Sache der Uiguren eingesetzt habe. Als Thailand im Juli mehr als hundert uigurische Flüchtlinge nach China auswies, wurde das thailändische Konsulat in Istanbul gestürmt. (APA/Reuters, 29.8.2015)

  • Material, das laut Behörden zum Bau von Bomben verwendet werden kann, wurde bei dem Verdächtigen gefunden.
    foto: ap

    Material, das laut Behörden zum Bau von Bomben verwendet werden kann, wurde bei dem Verdächtigen gefunden.

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