Forschungsfinanzierung: Es braucht viele Kuhglocken

Kommentar28. August 2015, 18:00
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Die Politik handelt eigentlich nur so, wie es sich die Wähler erwarten

Ob die Kuhglocke, die sich ÖVP-Staatsekretär Harald Mahrer bei den Alpbacher Technologiegesprächen gewünscht hat, die österreichische Forschungspolitik aufweckt, ist fraglich. Seit Jahren verschiebt man wie im Schlaf die Mittel von einem Topf in einen anderen und glaubt damit das hohe Ziel erreichen zu können, bis 2020 Innovation-Leader zu werden.

Die Rechnung wird alljährlich mit den Innovationsrankings serviert: Es geht schon längst darum, nicht den Anschluss an die Spitze des wirtschaftlichen und sozialen Wohlstands zu verlieren, der bekanntermaßen durch Wissenschaft und Bildung möglich wird. Milliarden statt Millionen, wie es eine Journalistin während der Alpbacher Technologiegespräche forderte: Diese Lösungsidee hat man anderswo, hierzulande versucht man die Lücken mit dem Inhalt von Töpfen zu füllen, über deren Gewicht man nicht wirklich Bescheid weiß.

Jüngste Idee: Ein Österreich-Fonds, in den die Einnahmen aus der Erhöhung des Höchststeuersatzes für Millionäre fließen sollen. Freilich scheint nicht klar, wie viele Mittel man damit wirklich lukrieren kann. Klar ist nur, dass diese schon mehrfach vergeben sind: Nicht nur der Wissenschaftsfonds FWF, auch andere Förderagenturen werden sich dort anstellen.

Angesichts der hierzulande herrschenden, durch mehrere Eurobarometer-Umfragen belegten Wissenschaftsfeindlichkeit könnte man ja sagen: Die Politik handelt eigentlich nur so, wie es sich die Wähler erwarten. Sie kümmert sich um die von Angst um das eigene Wohl und vor dem Fremden getriebenen Kleinbürger mehr als um die Zukunft, also um entpolitisierte Bildung und bestens ausgestattete Wissenschaft. Mitunter scheint es, als müsste da schon eine ganze Dorfkapelle mit Kuhglocken im Ministerrat auftreten, um die Regierungsspitze wachzurütteln. (Peter Illetschko, 28.8.2015)

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