Komplizenschaft

Einserkastl28. August 2015, 17:54
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Zur Berichterstattung der Kronen Zeitung

Vor Jahrzehnten hatte die "Krone" eine antisemitisch angehauchte Serie mit dem Titel "Die Juden". Riesige Plakate mit dem Bild eines orthodoxen Juden bewarben diese Serie. Der damalige Kardinal Franz König intervenierte daraufhin beim Eigentümer Hans Dichand senior. Die Serie wurde abrupt abgebrochen.

Kardinal Christoph Schönborn ist ständiger Kolumnist in der "Krone". Am Montag will er im Stephansdom einen Gedenkgottesdienst für die 71 Todesopfer aus dem Schlepper-Lkw halten. Wäre es zu viel verlangt, dass er vorher mit dem Chefredakteur Christoph Dichand ein Gespräch führt über die Veröffentlichung eines Fotos der zusammengepressten Leichen im Lkw in ebenjener "Krone"?

In den sozialen Medien tobt die Debatte über dieses Foto. Manche meinen, die Veröffentlichung zeige eben die Dramatik der Flüchtlingssituation. Wären die auch dafür, die zerfetzten Leichen von Autounfällen zu zeigen? Es warat wegen der Dramatik?

Beim Presserat sind schon über ein Dutzend Beschwerden eingelangt. Andreas Koller, Sprecher eines der Senate im Presserat, spricht von der "Würde des Menschen auch im Tod". Und fügt hinzu: "Offensichtlich besteht hier eine Komplizenschaft zwischen den Sicherheitsbehörden und der "Krone". Diese Form der ,Öffentlichkeitsarbeit' ist widerwärtig."

Was sagt die von den toten Flüchtlingen sichtbar erschütterte Ministerin dazu? (Hans Rauscher, 28.8.2015)

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