Roman Pfeffer in Innsbruck: Aufgestachelt zum Twist

28. August 2015, 16:39
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Der österreichische Künstler wirbelt mit Vorliebe unsere Sehgewohnheiten durcheinander: Die Galerie im Taxispalais widmet ihm eine kleine Soloausstellung

Innsbruck – Ein Stachel ragt in den Vorraum. Jedenfalls etwas, das man zunächst für den Stachel eines monströsen Skorpions hält. Denn tatsächlich ist es ein Sportruderboot, ein Achter, den der Künstler Roman Pfeffer nicht nur in Segmente zerlegt und neu zusammengesetzt, sondern auch so platziert hat, dass er Eintretende zu irritieren weiß. Schließlich müssen sie sich auch direkt am Helix Simulator, dem Vorboten seiner Soloschau in der Galerie im Taxispalais, vorbeischieben.

Brain Twister (Mazzocchio) titelt die Ausstellung des Künstlers (geb. 1972 in Vöcklabruck), und dieses "Durcheinanderwirbeln des Gehirns", also des Denkens, versteht Pfeffer durchaus programmatisch. Schließlich ist er bisweilen auch mit einem auf dem Kopf balancierten Sportboot anzutreffen: eine seltsame Gleichgewichtsübung, von der Fotobeweise existieren. Die Fotografie ist neben der Skulptur eines von vielen Medien, die Pfeffer sich angeeignet hat.

Auf solch rätselhafte Inszenierungen weist ebenfalls der Titel hin, denn "Brain Twister" ist zugleich die umgangssprachliche englische Bezeichnung für eine herausfordernde Denksportaufgabe. Pfeffer will vermeintliche Gewissheiten über die Welt infrage stellen, und so unterwandert er in seinen Arbeiten mit großer Begeisterung Ordnungssysteme und Gesetzmäßigkeiten.

Solche Manipulationen führt er in Innsbruck etwa an seinen Mazzocchios vor. Der Mazzocchio ist eine aus einer Vielzahl von Flächen bestehende, also polyedrische, ringförmige Kopfbedeckung florentinischer Patrizier des 15. Jahrhunderts, Sinnbild für Ordnung und Macht.

Renaissancemaler Paolo Uccello erforschte an ihnen Geometrie und Perspektive. Pfeffer setzt die Segmente des Mazzocchio zu immer wieder neuen Variationen zusammen. Die stete Umformung dieser metaphorisch aufgeladenen Kopfbedeckung könnte also auch als Aufforderung verstanden werden, etablierte Ordnungen und Systeme der Macht umzugestalten. (Anne Katrin Feßler, 28.8.2015)

  • Etwas bedrohlich sieht dieser monströse Stachel aus, der aus der Ausstellung von  Roman Pfeffer in der Innsbrucker Galerie im Taxispalais herausragt.
    foto: west.fotostudio, wörgl

    Etwas bedrohlich sieht dieser monströse Stachel aus, der aus der Ausstellung von Roman Pfeffer in der Innsbrucker Galerie im Taxispalais herausragt.

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