Revolution

29. August 2015, 09:00
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Die FPÖ ruft zur Revolution auf – allerdings zu einer Revolution in Anführungszeichen

Schlimmer noch als Pest und Krätze ist des Poeten Kickl Hetze. Kaum nahen die Wiener Wahlen, da bringt sich der blaue Aufhusskaiser auch schon wieder unangenehm in Erinnerung. Um medialen Radau zu schüren, kramt Kickl im Fundus der Weltgeschichte und ruft zur Revolution auf. Auch der Appell an die edelsten Triebe des Wahlvolks – diesmal die Rachsucht – bleibt nicht aus: "Wien tauscht Häupl gegen HC Strache und nimmt für Rotgrün süße Rache." Um so zu dichten, muss man wohl mindestens zwei Flaschen Primitivo intus haben.

Das lateinische Wort "revolutio", verrät Kluges Etymologisches Wörterbuch, bezog sich zunächst auf den Umlauf der Sterne; als es im 15. Jahrhundert ins Deutsche wanderte, hieß es allgemein "Veränderung". Die politische Note hatten zuvor die Italiener beigesteuert: Dort bekam "rivoluzione" im 13. Jahrhundert auch die Bedeutung "Unruhe des Volkes, Aufruhr, Staatsstreich".

Politische Revolutionen können friedlich verlaufen, oft geht es aber auch blutig her: Straßenschlachten, Lynchjustiz, öffentliches Köpferollen. Diese gewaltsamen Assoziationen wollte die FPÖ bei ihrem Aufruf ans österreichischen Wahlvolk, das es politisch lieber gemütlich hat, offenbar nicht riskieren. Daher milderte man die Revolution mit Anführungszeichen zur "Revolution" ab. Sehr feig. Mit diesem windelweichen Taschenspielertrick hat sich Wladimir Illitsch Kickl als revolutionäres Weichei entlarvt. Und überhaupt: Wenn's ihm hier nicht passt, soll er doch nach Russland gehen. (win, 29.8..2015)

  • Artikelbild
    foto: ap/dmitry lovetsky
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