Studie: Soziale Ungleichheit in Städten nimmt zu

30. August 2015, 19:00
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Forscher analysierten Daten aus 13 Städten – nur in Amsterdam nimmt die Ungleichheit nicht zu

Alpbach – Die soziale Durchmischung nahm in Städten Europas seit Beginn des 21. Jahrhunderts fast durchwegs ab, wie eine Analyse von Daten aus 13 Städten zeigt. Vor allem Wien präsentierte sich deutlich ungleicher als die Forscher erwartet hatten, wie der Soziologe Maarten Van Ham von der Universität Delft (Niederlande) bei den Alpbacher Technologiegesprächen erklärte.

Die untersuchten Städte

Für ihre Studie zu sozioökonomischen Unterschieden innerhalb von Städten – die Forscher sprechen von "Segregation" – haben Van Ham und sein Team beispielsweise Daten zur Einkommensverteilung, zum Wohnbau oder dem Wohlfahrtssystem in Amsterdam, Budapest, Wien, Stockholm, Oslo, London, Vilnius, Tallinn, Prag, Madrid, Mailand, Athen und Riga analysiert. Bis auf Amsterdam ergab sich für alle untersuchten Metropolen ein Anstieg der Ungleichheit.

Aufgrund ihrer theoretischen Annahmen waren die Forscher in ihrem vom Europäischen Forschungsrat (ERC) geförderten Projekt davon ausgegangen, dass die Segregation in London, Riga, Madrid und Vilnius am stärksten und in Prag und Wien am wenigsten ausgeprägt sein müsste. Nach der Datenanalyse zeigte sich aber eine andere Verteilung: Hinter Madrid, Mailand, Tallinn, London und Stockholm landete Wien auf dem sechsten Platz und nicht im Schlussfeld mit den Städten mit der stärksten sozialen Durchmischung. Diese gibt es demnach in Prag und Oslo.

Wien ist nur Durchschnitt

Die Gründe für die Abnahme der Durchmischung in Wien zwischen 2001 und 2011 seien nicht einfach fest zu machen. Die österreichische Hauptstadt sei "ein besonders komplexes Beispiel", sagte der Wissenschafter. Es hänge etwa mit dem starken Zuzug zusammen, im Zuge dessen sich einerseits die Anzahl an Fachkräften, aber auch die Zahl der weniger qualifizierten Personen in Wien erhöht habe. Außerdem habe man eine Abnahme der Investitionen im Wohnbau registriert, wie Van Ham anführte.

Insgesamt seien die Unterschiede in europäischen Städten noch geringer als in anderen Teilen der Welt. Man sollte aber darauf aufpassen, dass die soziale Durchmischung nicht verloren gehe, denn wenn "arme" und "reiche" Bevölkerungsteile zunehmend voneinander getrennt in einer Stadt leben, gefährde das den sozialen Zusammenhalt und damit die Stabilität. (APA, 30. 8. 2015)

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