Chinas Notenbank pumpt weitere Milliarden in den Geldmarkt

28. August 2015, 14:36
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Zentralbank sorgt für mehr kurzfristige Liquidität – Industrie leidet unter Preisverfall

Peking – Die chinesische Zentralbank pumpt zusätzliches Kapital ins Finanzsystem. Die Peoples Bank of China stellte am Freitag über kurzfristige Liquiditätsgeschäfte umgerechnet 8,3 Mrd. Euro für den Interbanken-Geldmarkt zur Verfügung. Das ist die zweite derartige Geldspritze in dieser Woche. Am Mittwoch flossen auf diesem Weg bereits 140 Mrd. Yuan (19,4 Mrd. Euro), in den Markt.

Damit sollen die nervösen Anleger an der Börse beruhigt werden. Unterdessen reißt die Serie mauer Konjunkturdaten nicht ab: Chinesische Industriebetriebe mussten im Juli Gewinneinbußen hinnehmen. Grund für den Rückgang von 2,9 Prozent zum Vorjahr auf umgerechnet rund 64 Mrd. Euro sind nach Angaben des Statistikamts sinkende Preise. Mit hohen Rabatten versuchen viele kleine Unternehmen ihre Marktposition zu verteidigen.

Konjunkturabkühlung

Die schrumpfenden Gewinne im Verarbeitenden Gewerbe werfen erneut ein Schlaglicht auf die Konjunkturabkühlung in China. Die Sorge um die Zukunft der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hatte Anfang der Woche heftige Schockwellen durch die globalen Finanzmärkte gejagt. Zum Ende der turbulenten Handelswoche stabilisierten sich die Aktienmärkte in Fernost allerdings. Der Leitindex in Shanghai legte den zweiten Tag in Folge zu und gewann knapp fünf Prozent.

Dennoch steht seit Monatsbeginn ein Minus von fast zwölf Prozent zu Buche. Schlechte Konjunkturdaten nährten die Sorge, dass die Regierung in Peking ihr Wachstumsziel von sieben Prozent in diesem Jahr verfehlen könnte. Dies wäre ohnehin das geringste Plus seit einem Vierteljahrhundert.

Preiskampf bereitet Kopfschmerzen

Während das Auf und Ab an den Börsen weltweit für Schlagzeilen sorgt, bereitet den Firmen vor allem der Preiskampf Kopfschmerzen. So fielen die Preise, die Produzenten für ihre Waren verlangen können, im Juli auf den tiefsten Stand seit Ende 2009. "Das Geschäft läuft nicht gut, die Wirtschaft läuft nicht gut. Deshalb plane ich auch nicht, weiter zu expandieren", sagte der 39-jährige You Zhenming, dessen Firma nahe der Küstenstadt Ninghai kleine Gummiteile für Autos herstellt.

Die Zentralbank hatte am Dienstag die Leitzinsen gesenkt – und zwar schon zum fünften Mal seit November. Zudem bekommen Geschäftsbanken künftig mehr Freiraum bei der Kreditvergabe, was die Konjunktur ankurbeln soll. Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter bis Ende des Jahres nachlegen. Die Wahrscheinlichkeit liegt demnach bei 80 Prozent, dass der Satz für die Mindestreserve, die die meisten Großbanken an Kapital bereithalten müssen, bis Ende Dezember noch einmal fällt. Die Chancen auf eine weitere Zinssenkung taxieren die Experten auf 70 Prozent.

Die Behörden setzten auch an anderen Fronten ihre Bemühungen fort, die Finanzmärkte zu beruhigen. So kündigte die Wertpapieraufsicht strengere Regeln auf dem Terminmarkt an, um Spekulationen einzudämmen. Ferner suchen die Machthaber in Peking nach Wegen, um die Industrie zu modernisieren und fit für den globalen Konkurrenzkampf zu machen. China will Insidern zufolge seine beiden größten Aluminium-Produzenten zu einem neuen Weltmarktführer verbinden. Das Stromunternehmen State Power Investment (SPI) wolle in diesem Zusammenhang sein Geschäft mit dem Metall an den Alu-Riesen Chinalco abgeben, sagten drei Eingeweihte aus dem Industriesektor der Nachrichtenagentur Reuters. (APA, Reuters, 28.8.2015)

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