Milchbauern: Rupprechter hofft auf 100 Millionen an EU-Geldern

28. August 2015, 14:30
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Minister schließt aber Wiedereinführung einer Milchquote aus

Brüssel – Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hofft auf eine Hilfe der EU-Kommission für den Milch- und Schweinesektor beim Sondertreffen der EU-Agrarminister am 7. September. "Wir reden sicher in der Größenordnung von 100 Mio. Euro, die da notwendig sind für Österreich", sagte Rupprechter am Freitag nach einem Treffen mit EU-Agrarkommissar Phil Hogan in Brüssel.

Für konkrete Zahlen sei es aber derzeit noch zu früh, sagte Rupprechter. Eine Wiedereinführung der Milchquote "schließe ich aus", betonte der Landwirtschaftsminister. "Derzeit ist die aktuelle Preisentwicklung noch nicht aus dem Wegfall der Quote erklärbar." Im ersten Halbjahr sei nicht so viel mehr Milch produziert worden. Haupterklärung für den Preisdruck sei das Russland-Embargo für EU-Lebensmittel.

Kommissar zeigt sich offen

"Der Kommissar war sehr offen unseren Vorstellungen gegenüber", berichtete Rupprechter von dem Gespräch mit Hogan. Im Milchbereich laute die österreichische Kernforderung, dass die Mittel für die "Superabgabe" bei bisheriger Überlieferung im Milchsektor verbleiben und für die Absatzförderung verwendet werden.

Für Österreich gehe es um 45 Mio. Euro aus der vergangenen Periode. Österreich wolle, dass eine geförderte Abgabe von Milchprodukten ähnlich wie bei der Schulmilch auf soziale Einrichtungen wie Altersheime, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen ausgeweitet wird, um den Absatz zu forcieren. Außerdem sollten Mittel der Superabgabe verwendet werden, um im Berggebiet die erhöhten Kosten für die Milchsammlung abzudecken, sagte Rupprechter. Eine EU-Kofinanzierung will der Minister auch für Werbung auf Exportmärkten außerhalb der EU.

Kein Fan von Interventionspreisen

Aus dem Sektor komme die Forderung nach einer befristeten Erhöhung der Markt-Interventionspreise, unterhalb derer die EU-Kommission Milchprodukte aufkaufen kann. Hogan sei aber "kein Fan" einer solchen Maßnahme, auch nicht von Exporterstattungen, sagte Rupprechter. Österreich wäre auch nicht unmittelbar ein Profiteur einer Anhebung der Interventionspreise.

Im europäischen Vergleich seien die Milchpreise in Österreich mit knapp 30 Cent noch im oberen Viertel der. Aber in einem halben Jahr sei ein Viertel des Preises weggebrochen, dies sei "eine krisenhafte Entwicklung", dies sei auch dem EU-Kommissar klar, sagte Rupprechter. Für Bio- und Heumilch gebe es derzeit steigende Preise, weil das Angebot am Markt zu gering sei. Mit einem 50-prozentigen Bioanteil in Salzburg sei dort "die Milchkrise noch nicht wirklich angekommen".

Österreich will gezielt neue Exportmärkte erobern. Rupprechter will im September gentechnikfreie Milch und Milchprodukte aus Österreich in den USA bewerben, dies sei dort ein aktueller Ernährungstrend. Anschließend seien Werbeauftritte in Japan, Brasilien, Mexiko, Chile und in Fünf-Sterne-Hotels in Peking geplant.

Für den Schweinesektor hofft Rupprechter darauf, dass der EU ein Wiedereinstieg in Russland gelingt bei Produkten, die nicht auf der Embargo-Liste stehen, etwa Zuchtrinder und Speck. Er sei zuversichtlich, dass am 7. September ein Signal zur Entlastung dieser Märkte komme.

Hogan habe auch zugesichert, dass eine Auszahlung der EU-Direktzahlungen heuer möglich sei, obwohl infolge der Umstellung des Systems nicht alle Kontrollen heuer durchführbar seien, sagte der Minister. Hogan habe auch positiv auf eine Forderung des Bauernbundes nach mehr Wettbewerb und Transparenz im Lebensmittel-Einzelhandel reagiert. Möglicherweise sehe die EU-Kommission dazu gesetzliche Initiativen vor. (APA, 28.8.2015)

  • Der niedrige Milchpreis macht den Bauern zu schaffen
    foto: apa

    Der niedrige Milchpreis macht den Bauern zu schaffen

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