Studie: Mögliche Auswirkungen einer Impfpflicht

28. August 2015, 09:18
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Die Einführung einer teilweisen Impfpflicht kann "paradoxe Effekte" haben, fanden Forscher in einer Studie heraus

Erfurt – "Wenn von Impfpflicht die Rede ist, geht es in aller Regel um eine teilweise Impfpflicht. Das heißt, eine Impfpflicht zur Abwehr ganz bestimmter Erkrankungen, bei denen die Impfquote derzeit niedrig ist. Beispielsweise wurde im Frühjahr 2015 diskutiert, die Masern-Mumps-Röteln-Impfung verpflichtend zu machen", erklärt Cornelia Betsch vom Institut für Sozial-, Organisations-, und Wirtschaftspsychologie der Universität Erfurt.

Betsch und ihr Kollege Robert Böhm von der RWTH (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule) stellten die Frage, was die Einführung einer teilweisen Impfpflicht für das gesamte Impfprogramm bedeuten würde? – Vor dem Hintergrund, dass die restlichen Impfungen freiwillig bleiben.

Sinkende Impfbereitschaft

Dazu untersuchten Wissenschafter zwei Versuchsgruppen: Die erste Gruppe wurde zunächst zu einer (fiktiven) Impfung verpflichtet und durfte sich im zweiten Schritt freiwillig für oder gegen eine Impfung entscheiden. In der zweiten Testgruppe setzten Betsch und Böhm von vornherein auf Freiwilligkeit.

Es zeigte sich, dass vor allem Personen mit negativer Einstellung gegenüber dem Impfen durch die Impfpflicht beeinflusst wurden: Die Impfbereitschaft dieser Probanden sank um rund 40 Prozent im Vergleich zu jener Gruppe, in der beide Entscheidungen freiwillig waren.

Paradoxe Effekte

Die Wissenschafter sprechen hier von "psychologischer Reaktanz", die dazu führt, dass sich Personen, deren Entscheidungsfreiheit eingeschränkt wird, diese bei der nächsten Gelegenheit "zurückholen".

Die Schlussfolgerung der Forscher: Die Einführung einer teilweisen Impfpflicht kann paradoxe Effekte haben – besonders die Impfskeptiker, denen durch die Impfpflicht begegnet werden soll, könnten so einen weit größeren Effekt auf das gesamte Impfprogramm haben, als es bei der freiwilligen Impfung der Fall ist.

"Wir schließen daraus, dass eine sinnvolle und gute Impfaufklärung der Bevölkerung effektiver wäre als die Einführung der Impfpflicht – vor allem einer teilweisen", resümiert Cornelia Betsch (red, 28.8.2015)

  • Eine teilweise Impfpflicht kann zu einer "psychologischen Reaktanz" führen. Das heißt, "Personen, deren Entscheidungsfreiheit eingeschränkt wird, holen sich diese bei der nächsten Gelegenheit wieder zurück", betont Cornelia Betsch von der Uni Erfurt.
    foto: apa/dpa/lukas schulze

    Eine teilweise Impfpflicht kann zu einer "psychologischen Reaktanz" führen. Das heißt, "Personen, deren Entscheidungsfreiheit eingeschränkt wird, holen sich diese bei der nächsten Gelegenheit wieder zurück", betont Cornelia Betsch von der Uni Erfurt.

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