Reichster Chinese läuft zu Ironman-Form auf

28. August 2015, 05:30
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Chinas reichster Mann, Wang Jianlin, lässt sich von Milliardenverlusten an den Börsen nicht aufhalten, weiterhin global zu expandieren. Jüngster Coup: der Kauf des Ironman-Veranstalters World Triathlon

Chinas Aktionäre lecken sich die Wunden nach dem dreitägigen Fall der Schanghaier Börse. Nicht so der 61-jährige Milliardär Wang Jianlin, der an den Börsen gerade mindestens 15 Prozent seines auf 34 Milliarden Dollar (29,6 Milliarden Euro) geschätzten Vermögen einbüßte: "Aktienkurse haben mit dem Cashflow und den Geschäften von Wanda nichts zu tun."

Im Pekinger Wanda Sofitel, eines der 75 Fünfsternehotels, die seiner Gruppe gehören, gab er am Donnerstag den Kauf der US-World Triathlon Corporation (WTC) mit ihren beiden weltbekannten Sportevent-Marken Ironman und Ironman 70.3 für 650 Millionen Dollar bekannt. Mit dem WTC-Deal sei die Wanda Gruppe, die sich gerade vom Immobilienkonzern zum Hotel-, Handels- Unterhaltungs- und Freizeitbusiness-Imperium umstrukturiert, jetzt auch zum "größten Sportunternehmen der Welt" aufgestiegen.

Eigene Sportmarke

Vor allem hätten sie nun ihre "erste eigene internationale Sportmarke" erworben und seien nicht mehr nur auf Franchising aus. Er werde das noch in China unbekannte Triathlon in großem Stil popularisieren. Erst im Februar hatte Wang den Schweizer Sportrechtevermarkter Infront für 1,05 Milliarden Euro übernommen, der weltweite Übertragungsrechte an den Olympischen Spielen, der Fifa-WM bis zu den DFB-Länderspielen besitzt. Danach kaufte sich Fußballfan Wang, der früher schon einen großen chinesischen Klub besessen hatte, für 45 Millionen Euro einen Zwanzig-Prozent-Anteil am spanischen Fußballverein Atlético Madrid.

foto: epa / rolex dela pena
Wang Jianlin (links), Chef der chinesischen Wanda Group, besiegelte in einem Hotel in Peking mit dem CEO der World Triathlon Corporation, Andrew Messick, den Milliardendeal.

Sowohl Chinas Börsenchaos als auch das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum würden seine Expansionspläne nicht behindern. Wang, der mit seinen Immobilien-Emissionen Wanda Dalian Commercial Properties, der Sparte Kinounterhaltung Wanda Cinema Line und mit Wanda Hotel Development bei den jüngsten Kursstürzen geschätzt fünf Milliarden Dollar verlor, hatte seit Jahresanfang etwa sechs Milliarden Dollar dazugewonnen. Der Einbruch bei den Aktienkursen würde sich ohnehin nicht direkt auf das Unternehmen auswirken, sagt Wang jetzt. "Die Effekte sind vor allem Psychologie." "Art und Umfang" der von Wanda Anfang 2015 beschlossenen Übernahmen und Merger im Ausland würden sich auch nicht ändern.

Nachfrage steigt

Eine weitere große Übernahme, nach Art des WTC-Deals, stehe im zweiten Halbjahr unverändert auf der Agenda. Der Rückgang bei Exporten und Investitionen könnte in China durch eine Steigerung der Binnennachfrage aufgefangen werden. Jänner bis Juli habe diese zu 60 Prozent zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Bei einer Steigerung auf 80 Prozent seien sechs bis sieben Prozent Wachstum kein Problem. Solange das Wachstum nachhaltig ist, könnte es auch auf sechs oder fünf Prozent fallen. "Unsere Entwicklung verlangsamt sich, aber nicht so schlimm, wie es im Westen beschrieben wird."

Dem Wanda-WTC-Deal waren monatelang geheimgehaltene Gespräche mit dem vormaligen Besitzer, der Investmentgesellschaft Providence Equity Partners, vorausgegangen. Diese sollen das Sportunternehmen, das heute jährlich rund 200 Langdistanz-Wettkämpfe in 26 Länder ausrichtet und vermarktet, im Jahr 2008 für 50 bis 80 Millionen Dollar gekauft haben.

Sport und Freizeit

Wang erwarb 2012 für 3,1 Milliarden Dollar AMC, die zweitgrößte Kinokette der USA, und baut inzwischen selbst gigantische Filmstädte in China. Er ist zu einem der größten chinesischen Investoren im Ausland geworden mit dem Kauf von Hotels in Spanien bis hin zum Erwerb eines britischen Yachtherstellers. All das sei Teil der Umstrukturierung. Wang sagt, er wolle seinen Konzern neben Büro-, Wohnimmobilien und Handel auf die vier neuen Pfeiler Kulturunterhaltung, Tourismusindustrien, Freizeitbusiness und Sport stellen. Er baut sich gerade mit den IT-Konzernen Baidu und Tencent eine eigene E-Commerce-Plattform auf. Ende Dezember kaufte er auch eine unabhängige Online-Bezahlfirma für zwei Milliarden Yuan (umgerechnet rund 300 Millionen Euro). (Johnny Erling aus Peking, 28.8.2015)

  • Milliardär Wang Jianlin (Mitte) zelebriert seine zahlreichen Deals gern mit schicker Eskorte. Andrew Messick (links), Chef von World Triathlon, das dem 61-jährigen Chinesen nun ebenfalls gehört, trottet brav neben ihm her.
    epa / rolex dela pena

    Milliardär Wang Jianlin (Mitte) zelebriert seine zahlreichen Deals gern mit schicker Eskorte. Andrew Messick (links), Chef von World Triathlon, das dem 61-jährigen Chinesen nun ebenfalls gehört, trottet brav neben ihm her.

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