Herr Klug, das Blut, der Urin

27. August 2015, 17:25
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Sportminister besichtigte das Dopinglabor Seibersdorf, der Antidoping-Kampf ist ihm ein großes Anliegen

Seibersdorf – Sportminister Gerald Klug ist der "Kampf gegen Doping ein großes Anliegen". Da lag es nahe, das Dopingkontrolllabor in Seibersdorf zu besuchen. Seit März 2013 ist Klug im Amt. Das Labor besuchte er am Donnerstag zum ersten Mal. "Ich bin sehr interessiert", sagte er. Das Dopingthema ist immer ein heißes. Im Moment gerade wieder besonders heiß. Leichtathletik-WM, Peking. Zwei Dopingfälle wurden am Mittwoch publik: zwei kenianische Läuferinnen, keine Topathletinnen. Die Topathleten aus dem ostafrikanischen Staat dominieren derzeit die WM. Ausgerechnet.

Eine ARD-Dokumentation Anfang August stellte vor allem Kenia und Russland in ein schiefes Dopinglicht. Dass österreichische Sportler derzeit nicht von Anschuldigungen betroffen sind, lässt Klug zwar ein bisschen zurücklehnen, aber auch nur ein bisschen. Sicher kann man sich nie sein. Und Österreich war in der Vergangenheit in Sachen Doping eher nicht die Insel der Seligen. Und außerdem: Die Betrüger sind den Dopingjägern immer einen Schritt voraus.

Zielgerichtetere Kontrollen

Die Kontrollen seien nun "engmaschiger", wie Michael Cepic, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping Agentur (Nada), sagt. Die Novelle des Anti-Doping-Gesetzes, seit Jahresbeginn in Kraft, hilft da. Es werde nun auch zielgerichteter geprüft. Dank sportartenspezifischer und individueller Risikoabschätzung. Zudem gibt es längere Sperren für schwere Vergehen und das Umfeld der Athleten wird verstärkt unter die Lupe genommen.

2,2 Millionen Euro stehen der Nada jährlich für Dopingkontrollen und vorsorgliche Maßnahmen zur Verfügung. Der Großteil davon sind Bundesmittel. Zudem fließen 350.000 Euro in die Forschung im Labor Seibersdorf. Es ist eines von weltweit 35 von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akkreditierten Doping-Kontrolllabors, eines von 20 in Europa. In Afrika gibt es nur eines.

Seibersdorf prüft für acht Länder

In der niederösterreichischen Gemeinde werden nicht nur in Österreich genommene Proben geprüft. Sieben andere Staaten lassen hier von zwölf Mitarbeitern analysieren. "Seit 2004 werden wir regelmäßig zu Olympischen Spielen eingeladen", sagt Laborleiter Günter Gmeiner. Gmeiner führt den interessierten Minister durch das Labor. Geräte im Wert von bis zu 650.000 Euro lässt er sich zeigen. Eine Reihe von Urinproben stehen zur Analyse bereit. Die Blutprobe muss erst aus dem Kühlschrank geholt werden. Die Mitarbeiterin hat ein wachsames Auge darauf. Sie muss wieder eingekühlt werden. Innert 48 Stunden nach Entnahme muss sie untersucht werden. Sonst ist sie wertlos.

Das Blut steht seit einigen Jahren viel mehr im Fokus. 2011 wurde in Österreich der Athleten-Blutpass eingeführt. Derzeit werden 100 Sportler mit dieser aufwändigen Methode kontrolliert. Die Erstellung von Blutprofilen erlaubt den indirekten Nachweis von Dopingvergehen. Im Vorjahr wurden in Seibersdorf 915 Blut- und mehr als 7000 Urinproben analysiert. Am Ende bedankt sich der Minister für die Führung, freut sich, "dass Österreich im Kampf gegen Doping eine Vorreiterrolle" innehabe. "Die Zukunft des Sports", sagt Cepic, kann nur eine Zukunft des sauberen Sports sein. Es gibt keine Alternative." (Birgit Riezinger, 27.8.2015)

  • Sportminister Gerald Klug (links) lässt sich von Seibersdorf-Laborleiter Günter Gmeiner das Doping-Kontrolllabor zeigen. Nada-Chef Michael Cepic interessiert's auch.
    foto: hbf/pusch

    Sportminister Gerald Klug (links) lässt sich von Seibersdorf-Laborleiter Günter Gmeiner das Doping-Kontrolllabor zeigen. Nada-Chef Michael Cepic interessiert's auch.

  • nada austria

    Am Donnerstag startete die Nada eine neue TV-Kampagne. Mit allen zehn Fußball-Oberhaus-Vereinen wurde ein Antidoping-Spot gedreht.

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