Her mit Koordinatoren!

Kolumne27. August 2015, 17:10
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Christian Konrads soll von außen alles richten, was die Regierung bisher nicht zustande gebracht hat

Ein österreichisches Wunder! Monatelang nichts als Chaos in der Flüchtlingsfrage, kondensiert in Traiskirchen, und dann schlägt unvermittelt ein Heiland aus dem niederösterreichischen Himmel auf den sumpfigen Boden der republikanischen Realität! Der Wandel vom pensionierten Raiffeisenboss zum Flüchtlingskoordinator hat im ganzen Land für ein Aufatmen gesorgt, das erst in zweiter Linie der Person, in erster Linie der mit ihrer Epiphanie verbundenen Teilentmündigung der Innenministerin gilt, auch wenn das nicht offen ausgesprochen wird. Man kann die Berufung Christian Konrads auch als Versuch einer Wiedergutmachung deuten für das, was die niederösterreichische Volkspartei der Republik mit zwei Innenministern angetan hat, von denen einer dem öffentlichen Bewusstsein mit dem Fußfesselballon entschwebt ist, was es Mikl-Leitner erst gestattete, ihre Inkompetenz im Amt – nunmehr unter Teilkuratel – zu beweisen.

An der Qualifikation des Mannes, ein wenig vom Geist der Zivilgesellschaft in den Trübsinn der Regierenden zu bringen, ist ebenso wenig zu zweifeln wie an der hohen Moral seiner Bereitschaft, sich dafür zur Verfügung zu stellen. Wenn nicht nur Werner Faymann ihn für den Richtigen hält, sondern auch ein kritischer Kopf wie Erwin Pröll große Stücke auf ihn hält, kann es nur noch aufwärtsgehen. Dabei war auch er nicht immer frei von Irrtum. Sprach er doch von einem vierzigjährigen Geburtstagskind, das längst im Orkus von Raiffeisen verschwunden ist, einmal als von einem "Wildschwein, das sich vom Frischling zum Keiler und mit Mitte 50, 60 zum Hauptschwein" entwickeln werde. Es bleibt zu hoffen, dass Konrad in der Flüchtlingskoordination ein besseres Gespür entwickelt als bei Josef Pröll.

Man hätte natürlich auch gleich Nägel mit Köpfen und Konrad zum Innenminister machen können, wollte aber vermutlich Ärger wegen der Frauenquote in der Regierung vermeiden. Jetzt soll er von außen alles richten, was die Regierung bisher nicht zustande gebracht hat, etwa eine Entlastung Traiskirchens, und alles sein, wozu sie es nicht gebracht hat, nämlich Schaltstelle zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und Nichtregierungsorganisationen.

Seine Qualifikation dafür besteht darin, dass er viele Leute kennt, was im Umkehrschluss auf eine schwere Isolierung der Regierung hindeutet. Nachdem die Innenministerin schon vor längerer Zeit die Verantwortung des Staates für die Organisation in Traiskirchen an eine private Organisation delegiert hat, abgesichert durch Verschwiegenheitsklauseln, erhält nun das Prinzip "Mehr privat, weniger Staat" neuen Auftrieb. Jetzt muss sich zeigen, ob es stark genug ist, Landeshauptleute und Bürgermeister zu etwas mehr Menschlichkeit zu bewegen.

Scheitert Konrad, ist nichts verhackt, hat er Erfolg, ist die Regierung blamiert. Aber der Grundgedanke seiner Bestellung lebt – die Ersetzung von Ministern durch Koordinatoren. Ein Gesamtschulkoordinator könnte viel bewirken, ein Gesundheitskoordinator noch mehr. Der stumme Schrei nach einem Verwaltungsreformkoordinator verhöre nicht ungehört! Und billiger kommen sie auch. (Günter Traxler, 27.8.2015)

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