Probiotikum könnte Migräne-Attacken verringern

27. August 2015, 15:17
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Wissenschaftlich belegte Zusammenhänge zwischen Darm und Gehirn – vielfältige Darmflora soll positiven Effekt haben

Wien – Zehn Prozent der Österreicher und Österreicherinnen leiden an Migräne, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Die medikamentöse Prophylaxe bei Menschen mit hoher Anfallfrequenz ist schwierig. Ein neues Probiotikum dürfte hilfreich sein, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Anita Frauwallner vom Grazer Unternehmen Institut Allergosan verwies auf erst in jüngerer Vergangenheit immer stärker wissenschaftlich belegte Zusammenhänge zwischen Darm und Gehirn. Die für das Gehirn typischen Fresszellen, die Mikroglia-Zellen, benötigten für ihre Ausreifung kurzkettige Fettsäuren, zum Beispiel Butyrat. Diese würden von einem Teil der Darmbakterien produziert und gelangten mit dem Blut ins Gehirn.

Ein Mangel an gesunder und diverser Darmflora führe hier zu zwei Defiziten: Einerseits bekäme das Gehirn zu wenig der kurzkettigen Fettsäuren zur Verfügung gestellt, andererseits bedeute eine geschädigte Darmflora auch eine mangelhafte Barrierefunktion zum Organismus. Toxische und Entzündungen fördernde Stoffe gelangten vermehrt ins Gehirn, hieß es bei der Pressekonferenz. Migräne ist durch eine entzündliche Reaktion auf verschiedene Reize gekennzeichnet.

Weniger Migräneattacken

Auf der Etablierung einer vielfältigen Darmflora soll der Effekt des neuen Probiotikums Omnibiotic Migräne mit pro Säckchen 7,5 Milliarden Keimen von acht verschiedenen Stämmen beruhen. Das diätetische Lebensmittel wurde in einer Studie an 27 Probanden mit zumindest vier Migräneattacken drei Monate lang untersucht. Sie ist bereits wissenschaftlich publiziert worden.

Demnach sank bei Einnahme einer Dosis pro Tag die Zahl der Migräneattacken pro Monat von vor dem Start durchschnittlich 6,7 auf 6,3 in den ersten vier Wochen, in den Wochen neun bis zwölf waren es dann durchschnittlich nur noch 5,2 Anfälle. "Insgesamt konnte die durchschnittliche Anzahl an Migräne-Tagen nach Ende der Probiotika-Einnahme um 23 Prozent gesenkt werden", sagte Anita Frauwallner. Die Probanden nahmen am Ende der Studiendauer auch um 29 Prozent weniger Analgetika-Dosen ein.

Medikamentöse Prophylaxe

In den 1990er-Jahren haben die sogenannten Triptane als neue rezeptpflichtige Arzneimittel die Behandlung schwerer akuter Migräneanfälle revolutioniert. Bei Menschen mit häufigen Attacken wird aber eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen. Die dabei verwendeten Betablocker, Kalziumantagonisten und Antiepileptika sind allerdings Arzneimittel mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen. Deshalb sind Alternativen gesucht. (APA, 27.8.2015)

  • Der Zusammenhang zwischen Darmflora und Migräne wird nun für die Suche nach alternativen Medikamenten genutzt.
    foto: apa/swen pförtner

    Der Zusammenhang zwischen Darmflora und Migräne wird nun für die Suche nach alternativen Medikamenten genutzt.

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