"Gekaufte Wissenschaft": Drittmittel für Hochschulen immer wichtiger

27. August 2015, 11:11
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Ein Sechstel der Uni-Umsatzerlöse kommen aus externen Quellen

Wien – Drittmittel für Forschung und Entwicklung (F&E) sind von zunehmender Bedeutung für die Hochschulen. An den Universitäten kommt bereits ein Sechstel der Umsatzerlöse aus Drittmitteln. Auch die Fachhochschulen verweisen auf steigende Drittmitteleinnahmen. Bei den Alpbacher Hochschulgesprächen widmet sich am Donnerstag eine Diskussion unter dem Titel "Gekaufte Wissenschaft?" dieser Finanzierungsform.

Ein zunehmender Anteil der Forschung an Hochschulen wird nicht mehr aus dem jeweiligen Budget der Institution finanziert, sondern aus sogenannten Drittmitteln. Diese können aus öffentlichen Quellen kommen, etwa vom Staat oder der EU, wobei sie üblicherweise im Wettbewerb vergeben werden. Zudem finanziert die Wirtschaft Forschungsprojekte an Hochschulen. Drittmittel gelten dabei als wichtiger Indikator für die Forschungsstärke und Attraktivität als Kooperationspartner einer Institution. Transparency International dagegen befürchtet bei zu großer Nähe von Forschung und Wirtschaft Interessenskonflikte und Beeinflussung der Forschungsergebnisse und fordert daher mehr Transparenz bei privaten Mitteln für Hochschulen.

Deutlicher Anstieg

An den Universitäten stiegen die Drittmittelerlöse zwischen 2007 und 2013 um 47,1 Prozent auf 597,5 Mio. Euro, wie aus dem "Forschungs- und Technologiebericht 2015" hervorgeht. Damit beträgt der Anteil der Drittmittel an den gesamten Umsatzerlösen der Unis 16,5 Prozent. Jeder fünfte Uni-Beschäftigte ist über Drittmittel angestellt.

Für die Fachhochschulen (FH) gibt es keine damit vergleichbare Zahlen, sie messen den Anteil der Drittmittel an den Gesamtausgaben für F&E: Diese haben sich an den FH zwischen 2002 und 2013 mehr als vervierfacht und betragen nun 89,4 Mio. Euro. Der Anteil der Drittmittel an den F&E-Ausgaben lag bei 25 Prozent, wie die Fachhochschul-Konferenz (FHK) auf Anfrage der APA mitteilte.

Überwiegend öffentliche Mittel

An den Unis stammt das Gros der Drittmittel von der öffentlichen Hand: Von den knapp 600 Mio. Euro 2013 kamen 142,3 Mio. Euro vom Wissenschaftsfonds FWF, 51 Mio. Euro von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, 24,3 Mio. Euro vom Bund sowie 33,4 Mio. Euro von den Ländern. Von der EU flossen 83,2 Mio. Euro, von Unternehmen 155,4 Mio. Euro.

Der Anteil der Wirtschaft an den gesamten Drittmittelerlösen der Universitäten beträgt damit rund ein Viertel. An den FH kommen rund 13 Prozent der F&E-Gesamtausgaben von der Wirtschaft.

Warnung und Entwarnung

Anlässlich der Hochschulgespräche hatte Transparency International bei zu großer Nähe von Forschung und Wirtschaft vor Interessenskonflikten und Beeinflussung von Forschungsergebnissen gewarnt. Aus diesem Grund forderte der Verein zur Korruptionsbekämpfung mehr Transparenz bei privaten Mitteln für Hochschulen und unter anderem eine Offenlegungspflicht von Verträgen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko) Heinrich Schmidinger sieht die Gefahr von "gekaufter Forschung" "nicht wirklich", wie er anlässlich einer Diskussion zu diesem Thema am Donnerstag in Alpbach zur APA sagte. Schmidinger schätzt die Abhängigkeit der Universitäten durch Drittmittel für gering ein. Die Unis seien überwiegend vom Staat finanziert und zudem herrsche an allen Universitäten "ein hohes Bewusstsein hinsichtlich der Unabhängigkeit und Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre". Problematisch könnte es nur werden, wenn sich der Staat als Hauptgeldgeber zurückziehen würde.

Der Präsident der Fachhochschul-Konferenz (FHK), Helmut Holzinger, betonte angesichts der wachsenden Bedeutung der Drittmittel, dass es "in Zukunft notwendig sein wird, ein ausgewogenes Verhältnis bei der Finanzierung zu finden: Wirtschaftsnahe Forschungsfelder und rein wissenschaftlich getriebene Forschungsfelder sollten einander nicht ausschließen, sondern sich ergänzen". Es sei auch Aufgabe der Politik, "durch steuernde Maßnahmen für Ausgewogenheit zu sorgen", die Politik müsse wohl "ein originäres Interesse daran haben, dass der Einfluss der Wirtschaft hier nicht die Oberhand gewinnt", so Holzinger zur APA. (APA, 27.8.2015)

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    foto: apa
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