Bolivien baut AKW und investiert in Atomforschung

27. August 2015, 06:20
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Präsident Morales bezeichnet Gegner von AKW-Bau als "Feinde des Landes"

La Paz – Bolivien will die Entwicklung der Atomkraft vorantreiben. Staatspräsident Evo Morales ratifizierte am Mittwoch einen Vertrag zur Errichtung eines 20 Hektar großen Forschungs- und Entwicklungszentrums im Süden der Millionenstadt La Paz.

Mit Blick auf die Gegner des Projekts und protestierende Einwohner des Viertels Mallasilla betonte der erste indigene Präsident des Landes: "Diese Leute, die dagegen opponieren, sind Feinde Boliviens, Feinde der Entwicklung des Landes, sie sind Feinde der Befreiung."

Insgesamt will Bolivien zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) investieren, ab 2025 soll das Nuklearzentrum für Gesundheits-, Technologie- und Energiezwecke genutzt werden – ein Atomkraftwerk an dieser Stelle ist aber nicht geplant. Dieses würde laut Regierung an anderer Stelle errichtet, womöglich mit Hilfe Argentiniens und Frankreichs. Das Land betont, Kernenergie nur zu friedlichen Zwecken nutzen zu wollen.

AKWs bisher nur in Brasilien und Argentinien

Bisher betreiben nur Argentinien (3) und Brasilien (2) in Südamerika Kernkraftwerke. In Mittelamerika hat Mexiko zwei Kernkraftwerke. Die meisten der weltweit 440 Atomkraftwerke werden nach Angaben des Deutschen Atomforums mit derzeit 99 Reaktoren in den USA betrieben.

Der seit 2006 amtierende Sozialist Morales treibt mit Einnahmen aus dem verstaatlichen Erdgassektor Infrastrukturprojekte wie das größte urbane Seilbahnnetz mit bis zu 1.400 Gondeln in La Paz voran, das von der österreichischen Firma Doppelmayr erbaut wurde. Außerdem soll künftig das für Batterien und Handys wichtige Lithium am Salzsee von Uyuni gefördert werden – und mit dem Nuklearprojekt will Morales das Land von Energieimporten aus dem Ausland unabhängiger machen. (APA, 27.8.2015)

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