Kenianer Yego brilliert im Speerwurf

26. August 2015, 17:43
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26-Jähriger gewinnt hochklassigen Bewerb in Peking mit 92,72 Metern, der drittbesten Weite aller Zeiten – seit 14 Jahren ist kein Speer mehr so weit geschleudert worden

Peking – Der Kenianer Julius Yego im Speerwurf und der Südafrikaner Wayde van Niekerk über 400 m haben am fünften Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking die herausragenden Leistungen gezeigt. Beide gewannen mit Jahresweltbestleistung Gold, ebenso wie die Tschechin Zuzana Hejnova bei ihrer erfolgreichen Titelverteidigung über 400 m Hürden.

Der 26-jährige Yego schleuderte den Speer auf 92,72 m und machte sich damit zum drittbesten Werfer aller Zeiten. Nur Weltrekordler Jan Zelezny (98,48/Tschechien) und Aki Parviainen (93,09/Finnland) hatten jemals weiter als Yego geworfen, der Kenia das fünfte Gold in Peking sicherte – und das erste im Speerwurf überhaupt.

In einem hochklassigen Wettkampf gewann der Ägypter Ihab El Sayed mit persönlicher Bestleistung (88,99 m) Silber, Bronze ging an den finnischen Ex-Weltmeister Tero Pitkämäki mit 87,64 m. Sechs Athleten warfen über 85 m. Olympiasieger Keshorn Walcott aus Trinidad und Tobago war bereits in der Qualifikation hängen geblieben.

"Ich bin so glücklich, ich kann es nicht in Worte fassen", sagte Yego, der im "Vogelnest"-Stadion vor 55.000 Zuschauern nach seinem Monsterwurf Schmerzen im Fuß verspürt hatte. "Ich musste es dann ruhiger angehen. Ich wusste aber, dass die anderen noch weiter werfen könnten."

Yego studierte Topstars wie Zelezny und Andreas Thorkildsen auf Youtube, gewann Highschool-Wettkämpfe, schaffte es ins Nationalteam. "Während ich die Kühe im Auge hatte, habe ich Holzstöcke geworfen. Das hat mein Interesse am Speerwurf geweckt." Heute trainiert er bis zu fünf Monate in der Speerwerfer-Nation schlechthin: Finnland.

Van Niekerk überrascht

Herausragend war auch der Auftritt von van Niekerk, der mit seinen 43,48 Sekunden nun viertschnellster Mann aller Zeiten auf der vollen Stadionrunde ist. Peking-Olympiasieger LaShawn Merritt aus den USA blieb der dritte WM-Titel verwehrt, er musste sich mit Silber begnügen (43,65/persönliche Bestzeit). Olympiasieger und 2011-Weltmeister Kirani James aus Grenada lief zu Bronze (43,78). Niekerk musste nach seinem superschnellen Lauf medizinisch versorgt werden.

Hejnova war über 400 m Hürden in 53,50 Sekunden erfolgreich, es folgten auf den weiteren Medaillenrängen die US-Amerikanerinnen Shamier Little (53,94) und Cassandra Tate (54,02). Hejnova kam von einer Verletzung zurück und freute sich "über den großen Erfolg nach dem schwierigen vergangenen Jahr".

Die Jahresbeste Yarisley Silva aus Kuba darf sich erstmals auch Stabhochsprung-Weltmeisterin nennen, sie überquerte auf dem Weg zu Gold 4,90 Meter und siegte vor der Brasilianerin Fabiana Murer (4,85) und der Griechin Nikoleta Kyriakopoulou (4,80). Nicht mit dabei war wegen ihrer Babypause die russische Titelverteidigerin Jelena Isinbajewa.

Über 3.000 m Hindernis war die Kenianerin Hyvin Jepkemoi nicht zu schlagen, die sich in 9:19,11 Minuten vor der Tunesierin Habiba Ghribi (9:19,24) und der Deutschen Gesa Krause (9:19,25) durchsetzte. Olympiasiegerin Julia Saripowa aus Russland fehlte wegen einer Dopingsperre. Titelverteidigerin Milcah Chemos (Kenia) wurde nicht für Peking nominiert.

Positive Dopingtests überschatten Kenias Erfolge

Nach fünf von neun Wettkampftagen führt Kenia den Medaillenspiegel mit sechs Gold, drei Silber und zwei Bronzemedaillen an. Das afrikanische Land machte am Mittwoch aber auch negative Schlagzeilen, die Läuferinnen Koki Manunga (400 m Hürden) und Joyce Zakary (400 m) haben positive Dopingtests abgeliefert und wurden suspendiert.

Unter dem Motto "Bringt uns Ruhm nach Hause" waren Kenias Athleten nach Peking entsandt worden. Sportlich läuft die WM extrem erfolgreich. Aber der Ruf der kenianischen Leichtathletik war schon vor den Titelkämpfen angekratzt. Eine Anfang August ausgestrahlte ARD-Doku tat das Ihre dazu. Seit 2012 wurden mehr als 30 kenianische Leichtathleten wegen Dopings gesperrt, die Dunkelziffer dürfte höher sein. Laut ARD soll der Verband systematisch seine Finger im Spiel haben – unterstützend und vertuschend. (sid, APA, red, 26.8. 2015)

ERGEBNISSE vom Mittwoch:

Männer:

400 m

Gold: Wayde van Niekerk (Südafrika) 43,48 Sekunden
Silber LaShawn Merritt (USA) 43,65
Bronze: Kirani James (Grenada) 43,78,

4. Luguelín Santos (Dominikanische Republik) 44,11, 5. Isaac Makwala (Botswana) 44,63, 6. Rabah Yousif (Großbritannien) 44,68, 7. Machel Cedenio (Trinidad und Tobago) 45,06, 8. Yousef Ahmed Masrahi (Saudi-Arabien) 45,15.

Speerwurf

Gold: Julius Yego (Kenia) 92,72 m (JWBL)
Silber: Ihab Abdelrahman El Sayed (Ägypten) 88,99
Bronze: Tero Pitkämäki (Finnland) 87,64,

4. Thomas Röhler (Deutschland) 87,41, 5. Antti Ruuskanen (Finnland) 87,12, 6. Andreas Hofmann (Deutschland) 86,01, 7. Johannes Vetter (Deutschland) 83,79, 8. Vítezslav Veselý (Tschechien) 83,13, 9. Ryohei Arai (Japan) 83,07, 10. Braian Toledo (Argentinien) 80,27, 11. Kim Amb (Schweden) 78,51, 12. Risto Mätas (Estland) 76,79.

Frauen:

400 m Hürden

Gold: Zuzana Hejnová (Tschechien) 53,50 Sekunden
Silber: Shamier Little (USA) 53,94
Bronze: Cassandra Tate (USA) 54,02,

4. Sara Petersen (Dänemark) 54,20, 5. Janieve Russell (Jamaika) 54,64, 6. Eilidh Child (Großbritannien) 54,78, 7. Wenda Nel (Südafrika) 54,94, 8. Kaliese Spencer (Jamaika) 55,47.

3.000 m Hindernis:

Gold: Hyvin Jepkemoi (Kenia) 9:19,11 Minuten
Silber: Habiba Ghribi (Tunesien) 9:19,24
Bronze: Gesa Felicitas Krause (Deutschland) 9:19,25,

4. Sofia Assefa (Äthiopien) 9:20,01, 5. Emma Coburn (USA) 9:21,78, 6. Hiwot Ayalew (Äthiopien) 9:24,27, 7. Virginia Nganga (Kenia) 9:26,21, 8. Lalita Shivaji Babar (Indien) 9:29,64, 9. Stephanie Garcia (USA) 9:31,06, 10. Salima Alami (Marokko) 9:32,15, 11. Ruth Jebet (Bahrain) 9:33,41, 12. Colleen Quigley (USA) 9:34,29, 13. Özlem Kaya (Türkei) 9:34,66, 14. Fadwa Madane (Marokko) 9:41,45, 15. Rosefline Chepngetich (Kenia) 9:46,08

Stabhochsprung

Gold: Yarisley Silva (Kuba) 4,90 m
Silber: Fabiana Murer (Brasilien) 4,85
Bronze: Nikoléta Kyriakopoúlou (Griechenland) 4,80,

4. Angelica Bengtsson (Schweden), Jennifer Suhr und Sandi Morris (beide USA) alle 4,70, 7. Holly Bradshaw (Großbritannien) 4,70, 8. Martina Strutz (Deutschland) 4,60, 9. Li Ling (China) 4,60, 10. Minna Nikkanen (Finnland) 4,60, 11. Alana Boyd (Australien) 4,60, 12. Lisa Ryzih (Deutschland) 4,60.

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  • Julius Yegos großer Wurf.
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    Julius Yegos großer Wurf.

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