Uli Hoeneß – vom Fleischer zum Zocker

27. August 2015, 08:00
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Das Dokudrama "Uli Hoeneß – Der Patriarch" stellt die vier Tage des Prozesses nach, zu sehen am Donnerstag im ZDF

Wien – Hinterher ist man immer gescheiter, doch oft ist es dann zu spät. "Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens", sagt Uli Hoeneß am Ende des Prozesses. Der Ex-Spieler, Ex-Trainer, Ex-Manager betrog den Staat zwischen 2003 und 2009 um sage und schreibe 28,5 Millionen Euro. Die Strafe: drei Jahre und sechs Monate.

Was sich am 13. März 2014 am Landgericht München II, Saal 134 ereignet, kommt einem Erdbeben gleich: Der Boden erzittert unter Hoeneß, ins Wackeln gerät aber auch der ganze deutsche Fußball. Die vier Tage des Prozesses stellt das Dokudrama Uli Hoeneß – Der Patriarch, Donnerstag um 20.15 im ZDF nach.

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und wortgetreuen Mitschriften der Prozessbeobachter. Regisseur Christian Twente montiert Spielszenen, Archivaufnahmen und Zeitzeugeninterviews zu einer Collage.

Zu Wort kommen Fußballexperten, Sportjournalisten, Freunde, etwa Adidas-Chef Herbert Hainer, Hoeneß' Jugendtrainer Roland Schmidle und Manager Reiner Calmund.

Verschmelzung der Erzählstile

Nur Protokolle zu verlesen und dabei Thiemes/Hoeneß' starren Gesichtsausdruck und zusammengepresste Lippen zu filmen, erschien offenbar zu langweilig. Bis auf Ausnahmen wird nur der Prozess gespielt, dieser umrahmt Archivszenen und Interviews. Die Verschmelzung der Erzählstile gab es schon einmal eleganter, etwa in Die Manns.

Zu sehen ist, wie aus dem ambitionierten Fleischersohn ein Kicker mit Torinstinkt, ein entschlossener Trainer, vifer Bayern-München-Manager, Freund der Eliten und schließlich ein hemmungsloser Zocker wurde. Er verfüge über eine "Ehrgeizstruktur", sagt Biograf Thilo Komma-Pöllath.

Der Stern-Reporter Johannes Röhrig lässt ihn schließlich auffliegen. Ob das langgezogene "Scheeeeeeeiße" bei der Festnahme dokumentiert ist, ließ sich nicht verifizieren.

Die Akte Hoeneß steigt schon wieder: Im Herbst wartet die Sat.1-Satire Die Udo Honig Story mit Uwe Ochsenknecht. Das Original schreibt als Freigänger schon wieder Autogramme. (Doris Priesching, 27.8.2015)


  • Rechts das Original, links die Kopie: Thomas Thieme schlüpfte in die Rolle des verurteilten Steuerhinterziehers Uli Hoeneß.
    foto: apa/dpa/kaiser;stache

    Rechts das Original, links die Kopie: Thomas Thieme schlüpfte in die Rolle des verurteilten Steuerhinterziehers Uli Hoeneß.

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