Pumuckl: Das Recht des Kobolds auf den Kugelbauch

Kopf des Tages26. August 2015, 17:15
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Die Rückeroberung des Kugelbauchs ist nicht nur ein Sieg der Vernunft, sondern auch einer gegen den grassierenden Schlankheitswahn

Letztlich siegte die Vernunft. Oder, um es mit einem alten Koboldgesetz zu sagen: "Leute gibt's, die sind verrückt. / Die brauchen Scherben, dass was glückt. / Nicht mal ein Kobold kann's so drehn, / dass sie die eig'ne Dummheit sehn."

Eine ausgesprochen dumme Idee war es, den bayerischen Urkobold Pumuckl in einem neu aufgelegten Buch das feiste Bäuchlein abzuerkennen. Haar, Sommersprossen und rote Nase gingen an Äußerlichkeiten vor der verlegerischen Begradigungskommission noch durch, die Koboldwampe zeichnete sie aber weg – und trug sich einen Shitstorm ein, der sich gewaschen und jetzt zur Rückbesinnung geführt hat. Wo doch jeder weiß: Was ein echter Bayer ist, der braucht einen gescheiten Bauch – auch das ist eines der Koboldsgesetze, sicher.

Die stellt der vorlaute Wichtelmann zuhauf auf – und bricht sie aus Prinzip, stets begleitet von gut geschütteltem Versmaß und Applaus für sich selbst: "Pumuckl versteckt, und niemand was meckt! Oh, das reimt sich – und was sich reimt, ist gut!"

Werdegang

Geboren wurde der ewig zu Streichen aufgelegte Kobold Pumuckl am 21. Februar 1962. Ellis Kaut brachte ihn im Radio zur Welt. Der Name fiel erstmals während eines Winterspaziergangs, als die deutsche Kinderbuchautorin ihrem Ehemann Schnee aus Ästen ins Genick schüttelte. Aus Hörspielen wurden Bücher, Schallplatten und ein Kinofilm. 1982 – Pumuckl war zwanzig und hatte seit Anbeginn mit Hans Clarin eine unvergleichliche Stimme – machte das Bayerische Fernsehen den Klabautermann und seinen strengen Hausherrn, den Tischlermeister Eder, zu Serienhelden. Gustl Bayrhammer schlüpfte in dessen Rolle, die davor Franz Fröhlich und Alfred Pongratz gespielt hatten.

Zu einer Zeit, als Computeranimation noch nicht jedes Kleinkind konnte, war für das Zusammenwirken von Mensch und Trickfigur noch erheblicher Aufwand notwendig. 52 Folgen entstanden, bis heute vielgeliebt von kleinen und großen Zuschauern.

Denn ein Vorbild ist dieser Frechdachs für alle, denen Gehorsam eingetrichtert wurde, die sich nicht zurückzureden trauen – und sich manchmal wünschen, verschwinden zu können. Die Rückeroberung des Kugelbauchs ist aber nicht nur ein Sieg der Vernunft, sondern auch einer gegen den grassierenden Schlankheitswahn, der schon Biene Maja und Heidi glattmachte. Auflehnen, aufbegehren: Dem Kobold würde es gefallen. (Doris Priesching, 26.8.2015)

  • Serienheld Pumuckl erhält seinen Bauch zurück.
    foto: br

    Serienheld Pumuckl erhält seinen Bauch zurück.

  • So wird der neue Pumuckl ausschauen. Ein Bäuchlein bekommt er nach den Protesten noch dazu.
    foto: apa/kosmos verlag/jan sasse

    So wird der neue Pumuckl ausschauen. Ein Bäuchlein bekommt er nach den Protesten noch dazu.

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