Grazerin 320.000 Euro mit Internet-Betrug abgeknöpft – Niederländer verurteilt

26. August 2015, 15:31
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63-Jähriger half Hintermännern, einer Ärztin Tausende Euro abzuknöpfen

Ein 63-jähriger Niederländer ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs nicht rechtskräftig zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann soll im Frühjahr Botenaufgaben für Hintermänner erledigt haben, wobei eine Ärztin um rund 320.000 Euro betrogen wurde. Sie hatte einen vermeintlichen US-Soldaten in einer Internetsinglebörse kennengelernt und Geld überwiesen.

Immer wieder Geld überwiesen

Die Grazerin hatte im Sommer vergangenen Jahren im Internet einen Mann kennengelernt, der sich als Soldat in Syrien ausgab. In Wahrheit dürfte es sich aber um einen oder mehrere Betrüger aus Ghana gehandelt haben. Nach anfänglichen Flirts und Vertrauensgewinn bat der Bekannte sie um Hilfe. Er schrieb der Ärztin, seine Konten mit zwei Millionen US-Dollar seien eingefroren und daher komme er nicht aus dem Kriegsgebiet weg. Das wolle er aber, weil er es nicht mehr aushalte.

Im Glauben zu helfen, überwies die Ärztin immer wieder Geld, nahezu 300.000 Euro. Als Beleg für sein Vermögen soll der vermeintliche Soldat sie auf eine Website verwiesen haben, auf der angeblich sein Kontostand mit zwei Millionen Dollar einsehbar war. Als der Frau nach Monaten Zweifel kamen, drängte sie auf Rückzahlung. An dieser Stelle soll der Angeklagte ins Spiel gekommen sein. Er sollte die Ärztin aufsuchen. Außerdem übernahm er Geldtransaktionen – 32.000 Euro sollen von der Medizinerin auf sein Konto gelangt sein. Das meiste davon überwies er weiter nach Ghana.

Als Opfer ausgegeben

Vor Gericht gab sich der Niederländer selbst als Opfer aus. Er soll auf ähnliche Weise um mehrere Tausend Euro betrogen worden sein. Dennoch habe er danach eingewilligt, die Aufgaben seines ghanaischen Kontaktmanns zu übernehmen und Geld weiterzuüberweisen. "Obwohl Sie schon von denen betrogen wurden?", fragte Richterin Elisabeth Juschitz nach. "Ja, ich bekam ein paar Hundert Euro dafür. Ich dachte, das ist alles korrekt", rechtfertigte er sich. Hinterfragt habe er nichts. Dass die Grazer Ärztin um mehr als 300.000 Euro geschädigt wurde, habe er nicht gewusst. Die Richterin meinte gegen Ende der Verhandlung: "Beten Sie dafür, dass Sie jemanden finden, der Ihnen das alles glaubt."

Staatsanwältin Johanna Bubna-Litic sprach in ihrem Schlussplädoyer von "sehr kreativen Geschichten" und war überzeugt, dass der Beschuldigte sehr wohl wusste, um welche Summen es ging. Selbst der Verteidiger des Niederländers meinte: "Nicht einmal ich glaube Ihnen." Er plädierte aber darauf, dass sein Mandant nur Botendienste für diesen sogenannten Romance Scam (Internetbetrug via Singlebörsen, Anm.) verrichtet habe und der durch ihn mitverursachte Schaden nicht so hoch sein könne.

Die Schöffen glaubten den Schilderungen des 63-Jährigen zumindest teilweise – vermutlich auch, weil der Pensionist einen eher skurrilen als kriminellen Eindruck machte. Er wurde schuldig gesprochen, und zwar weil er sich am Betrug um 36.500 Euro beteiligt hatte. Dafür soll er zwei Jahre absitzen. Nachdem der Niederländer erfahren hatte, dass er seine Strafe in seinem Heimatland verbüßen kann und bei guter Führung möglicherweise früher entlassen wird, nahm er das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. (APA, 26.8.2015)

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