Und jetzt will Rapid Europa rocken

26. August 2015, 14:39
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Der Abschied von der Champions League war schmerzlich. Trotzdem kickt Rapid rosigen Zeiten entgegen

Lwiw/Wien – Rapid weckt Begehrlichkeiten. Vereine aus ganz Europa schicken Späher aus, der Fußball ist ein Basar, es wird gehandelt, gekauft, verkauft, mitunter werden wahnwitzige Summen umgesetzt. Bis zum 31. August. Rapid ist in den vergangenen Monaten auffällig geworden, das knappe Scheitern im Playoff zur Champions League an Schachtar Donezk hat daran überhaupt nichts geändert. Im Gegenteil. Wie sagte Mircea Lucescu, der Trainer der Ukrainer, nach dem 2:2 in Lwiw: "In all meinen Spielen zusammen hatte ich nicht so viel Glück wie in dem einen heute." Der Rumäne ist übrigens 70 Jahre alt, es waren sehr viele Spiele.

Am Mittwochnachmittag haben sich die Rapidler neben dem Happel-Stadion zum Training versammelt, der Frust wurde aus den Beinen geschüttelt. Gravierende Folgeschäden psychischer Art sind kaum zu befürchten. Kapitän Steffen Hofmann: "Es gibt keine Alternative zum Aufstehen, zum Weitermachen." Es wäre aber einfacher gewesen, hätte man fünf Stück bekommen. Auf der nach oben offenen Ganz-Grausliche-Niederlagen-Skala wird Lwiw kaum zu toppen sein. "Eines der schlimmsten Erlebnisse in meiner Karriere." Auch Thanos Petsos hätte "lieber 0:3 verloren". Damit konnte Rapid nicht dienen, in der Nachspielzeit wurden hochkarätige Chancen aufs 3:2 vergeben. Robert Beric köpfelte daneben, Philipp Prosenik traf die Stange. Trainer Zoran Barisic: "Uns hat das Glück gefehlt. So ist der Fußball."

Teil des Jobs ist, die Spieler aufzurichten. Das sollte Barisic gelingen. "Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren viele schlimme Niederlagen eingesteckt, doch die haben uns nie erschüttert, sondern stärker gemacht. Ich gehe davon aus, dass das wieder der Fall sein wird. Wir haben eine großartige Leistung abgeliefert, es ist nicht selbstverständlich, mit so einem europäischen Spitzenteam auf Augenhöhe zu sein." Ajax Amsterdam ist ein zweites Beispiel, man war über Augenhöhe.

Werbung gemacht

Rapid dürfte rosige Zeiten vor sich haben. Das liegt nicht zuletzt am neuen Stadion. Im Juli wird es in Hütteldorf eröffnet. Präsident Michael Krammer ignorierte den Schmerz über die Niederlage, die eh ein Remis war. "Es gibt keine Auswirkungen. Wir hätten nur die Möglichkeit gehabt, von sehr gut auf super upzugraden. Wir haben Werbung für den österreichischen Fußball gemacht. Jetzt rocken wir halt die Europa League." Das Startgeld beträgt 5,4 Millionen Euro, die Gruppenphase wird am Freitag gelost. Die drei Heimspiele im Happel-Stadion werden wohl ausverkauft sein, den Fans sind die Gegner praktisch wurscht.

Schon am Donnerstag wird der "Fall Beric" geklärt, Reading und St. Etienne buhlen um den Stürmer. Wobei die Franzosen klamm sein dürften. Krammer wird Beric ein Angebot legen. "Ich habe kein Interesse, ihn zu verkaufen." Es sei oberstes Ziel, die Mannschaft beisammenzuhalten, die Verträge vorzeitig zu verlängern. "Wir sind in der Lage, gut zu bezahlen, die Gehälter anzuheben. Natürlich werden wir keinem Spieler die Zukunft verbauen. Aber wir sind eine echte Alternative, eine tolle Adresse geworden." 2017 sind Florian Kainz, Philipp Schobesberger und vor allem Supertalent Louis Schaub ablösefrei. Letztgenannter besitzt eine Ausstiegsklausel, es grenzte an ein Wunder, sollte der 20-Jährige nicht spätestens im Sommer 2016 abhandenkommen.

Barisic ist sich der Problematik bewusst, sieht aber das Positive. "Es wäre schlimm, wenn wir schlecht wären und niemand unsere Spieler haben will." Rapid ist viermal in der Gruppenphase der Europa League gescheitert. Beim fünften Mal soll dies geändert werden. Gegner wie Liverpool oder Schalke sind möglich. Am Samstag kommt Mattersburg auf Besuch. Barisic: "Vielleicht sind wir da noch stärker." (Christian Hackl, 26.8.2015)

  • Robert Beric war fassungslos über sich selbst. Er hätte das 3:2 erzielen können, ja müssen. Donezk hat aber Glück gehabt, ist mit insgesamt 3:2 aufgestiegen. Beric soll bleiben.
    foto: epa/sergey dolzhenko

    Robert Beric war fassungslos über sich selbst. Er hätte das 3:2 erzielen können, ja müssen. Donezk hat aber Glück gehabt, ist mit insgesamt 3:2 aufgestiegen. Beric soll bleiben.

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