Publikumsschlager ohne Publikum

26. August 2015, 18:13
584 Postings

Bundesliga optiert für Geisterspiel zwischen Austria Salzburg und Innsbruck am Freitag – Austria-Sportdirektor Stöger: "Kann mir nichts vorwerfen"

Wien/Salzburg – Das Westderby zwischen Austria Salzburg und Wacker Innsbruck wird am Freitag (20:30 Uhr) nun doch stattfinden, mangels Zulassung durch die zuständige Veranstaltungsbehörde jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das entschied am Mittwoch die Fußball-Bundesliga.

"Für die Österreichische Fußball-Bundesliga steht im Sinne der Wettbewerbssicherheit außer Frage, dass sämtliche Entscheidungen in der Meisterschaft soweit wie möglich auf rein sportlichem Wege erfolgen sollen. Aus diesem Grund ist die Durchführung des Spiels unter Ausschluss der Öffentlichkeit die beste Lösung", sagt deren Vorstand Christian Ebenbauer.

Man bedauert, dass Fans, Klubs und der Fußball allgemein als Verlierer dastehen würde. Dies vor allem deshalb, da das "Stadion Vor der Au" in Schwanenstadt ursprünglich und ausdrücklich auch für Risikospiele wie eben jenes gegen Innsbruck im Rahmen der Lizenzierung im Mai 2015 behördlich genehmigt worden sei.

Austria-Sportdirektor kritisiert Behörden

Gerhard Stöger, der geschlauchte Sportdirektor der Austria sagte zum STANDARD: "Ich kann mir und meinem Verein nichts vorwerfen." Er habe sich seit Wochen "25 von 24 Stunden am Tag Gedanken darüber gemacht", wie das Spiel gegen Wacker über die Bühne zu bringen sei.

Die Probleme entzündeten sich an der Einrichtung eines Sektors für tausend Gästefans im Ausweichstadion in Schwanenstadt. Obwohl gar keine Innsbrucker Fans am Freitag anwesend sein sollten, zumindest wurden keine Gästekarten angefordert, beharrt die Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck auf einer Gästetribüne.

Salzburg kann und will den Ausbau des Stadions um 50.000 Euro nicht bezahlen, ist weder Besitzer noch erster Benützer des Stadions. Dass Salzburg dessen Fassungsvermögen laut Behördenbescheid auf 4.000 aufstocken hätte sollen, kann der 49-Jährige nicht verstehen. "Die Polizei schreibt den Gästen auf dem Akademikerball auch nicht vor, sich in die Ballräumlichkeiten zu begeben, weil für deren Sicherheit auf der Straße nicht mehr gesorgt werden kann. Die Behörde will das Problem mit dieser Maßnahme nur ins Stadion verlagern."

Grünes Licht der Bundesliga

Eine absurde Situation, die Fragen aufwirft. Salzburg wurde von der Bundesliga lizenziert, die Stadien in Maxglan (Heimstadion) sowie Schwanenstadt erhielten nach der Kommissionierung grünes Licht. "Wir haben alle Kriterien erfüllt. Es wird vonseiten der Bundesliga keine Mindestkapazität für derartige Spiele vorgeschrieben. Für Duelle mit dieser Brisanz sollte aber in Zukunft ein entsprechendes Ausweichstadion zur Verfügung gestellt werden."

Ein Nein kam vom FC Salzburg, weil die Bullen selbst nur 24 Stunden vor dem Westderby die Arena in Kleßheim in der Europa-League-Qualifikation gegen Dinamo Minsk bespielen. Begründung: eine zu starke Belastung für den Rasen. Grödig spielt am Samstag gegen Ried und hat deshalb Anfragen der Bundesliga abgelehnt.

Folgenreiche Flugblätter

Für Austria Salzburg kam eine Lockerung im Lizenzierungsverfahren für die aktuelle Saison zu spät. So wurde mit 1. Juli die Maximalentfernung für das Ausweichstadion von 100 auf 150 Luftlinien-Kilometer erhöht. Stöger hätte gerne Klagenfurt als Ausweichstadion gehabt, "dann hätten wir diese ganze Aufregung jetzt nicht".

Beide Vereine suchen eine sportliche Lösung, die Fangruppen rivalisieren heftig. Die Polizei ist hellhörig, auch nachdem auf in Innsbruck aufgetauchten Flugblättern zu lesen war: "Wir machen Salzburg platt – egal ob in Wals-Siezenheim, Grödig oder Schwanenstadt."

Der schwarze Peter

Ob der schwarze Peter nun bei der Behörde in Vöcklabruck liegt? "Den haben wir alle", sagt Stöger. Der Präsident von Wacker Innsbruck, Josef Gunsch, soll bis zur Verweigerung der behördlichen Genehmigung am Dienstag von den Vorgängen nichts gewusst haben. Gunsch hätte mit dem Tiroler Stadionbetreiber Olympiaworld sogar eine Verlegung des Spiels auf den Tivoli angeboten. Von der Bundesliga gab es dazu ein Vorabveto. In der Zwischenzeit wanderte der Ball zwischen Behörde, Bundesliga, Austria Salzburg und der Gemeinde Schwanenstadt im Kreis. (Florian Vetter, 26.8.2015)

  • Gerhard Stöger, Austria Salzburgs Sportdirektor, kann sich an eine vergleichbare Situation in seiner Amtszeit nicht zurückerinnern.
    foto: pressefoto austria/schernthanner

    Gerhard Stöger, Austria Salzburgs Sportdirektor, kann sich an eine vergleichbare Situation in seiner Amtszeit nicht zurückerinnern.

Share if you care.