Studie: Herz-Kreislauf-Risiko in Osteuropa deutlich höher

26. August 2015, 11:49
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Bessere Behandlungsmethoden verlängern zwar das Leben, Übergewicht und Diabetes könnten dem aber entgegenwirken

London – Das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ist in Europa ungleich verteilt. In osteuropäischen Ländern sterben deutlich mehr Menschen an Herzinfarkten und Schlaganfällen als in anderen Regionen, zeigt eine im "European Heart Journal" veröffentlichte Studie. In diesen Ländern sei die Lebenserwartung auch insgesamt niedriger, schreiben die Autoren um Nicholas Townsend.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen kosten in Europa demnach mehr als vier Millionen Menschen pro Jahr das Leben und zählen mit 45 Prozent zur häufigsten Todesursache. Alte Menschen sind naturgemäß öfter betroffen als jüngere. Dennoch sterben pro Jahr rund 700.000 Menschen unter 65 Jahren an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Problem: Übergewicht und Diabetes

"Frauen sterben statistisch häufiger an diesen Krankheiten als Männer, allerdings eher in höherem Alter", erklärt Townsend von der Universität Oxford. Gründe dafür könnten die feineren Blutgefäße sein, die Operationen und Medikamentendosierung erschweren. Zudem würden Studien hauptsächlich männliche Probanden untersuchen.

Durch die Fortschritte in den Behandlungsmethoden nimmt in Europa die Sterblichkeit insgesamt beständig ab, sagt Townsend. Die Zunahme von Risikofaktoren wie Übergewicht und Diabetes könnte dieser Verbesserung aber entgegenwirken.

"Das wichtigste Problem mit der alternden Bevölkerung wird wohl sein, dass wir mehr Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen am Leben halten und das eine größere Belastung für die Gesundheitssysteme bedeutet", so der Studienleiter.

Vergleich: Frauen und Männer

Besonders positiv sind die Zahlen für Frauen in acht Ländern, wo auf 100.000 Frauen weniger als 250 Todesfälle kommen: Frankreich, Spanien, Dänemark, die Niederlande, Norwegen, die Schweiz, Großbritannien und Israel. Österreich kommt auf 367 Fälle, Deutschland auf 362 Fälle pro 100.000 Frauen.

In sechs Ländern sterben dagegen mehr als 1.000 von 100.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Problemen: Mazedonien, die Ukraine, Moldawien, Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan – allerdings lagen den Wissenschaftlern bei den beiden letztgenannten Ländern nur Daten aus den Jahren 2005 beziehungsweise 1998 vor.

Bei den Männern sieht es ähnlich aus. In Israel, Frankreich und Spanien sind weniger als 300 Todesfälle pro 100.000 Männer zu konstatieren, in der Ukraine und in Turkmenistan sind es mehr als 1.500, in Österreich 483 Fälle. Auch bei diesen Zahlen räumten die Wissenschafter Probleme mit der Vergleichbarkeit der Daten ein. Die Studie untersuchte Länder, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur europäischen Region zählt und die zum Teil bis nach Asien reicht. (APA, dpa, 26.8.2015)

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