Leipzig: Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft

26. August 2015, 09:29
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In Mecklenburg-Vorpommern drangen mit einem Messer bewaffnete Männer in eine Flüchtlingsunterkunft ein

Leipzig – In Deutschland hat es erneut einen Brandanschlag auf eine für Flüchtlinge vorgesehene Unterkunft gegeben. In der Nacht auf Mittwoch warf in Leipzig ein Unbekannter einen Brandsatz durch das offene Fenster eines Hauses, in das am Mittwoch 56 Asylbewerber einziehen sollten, wie die Polizei mitteilte. Da ein Zeuge das Geschehen bemerkte und die Feuerwehr alarmierte, sei der Schaden gering geblieben. Nur eine Matratze hat demnach gebrannt.

Die Ermittlungen übernahm nach eigenen Angaben das auf rechtsextremistische Taten spezialisierte Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Landespolizei. Der vermummte Täter schlug demnach gegen 1.30 Uhr zu. Die Beamten baten Zeugen, ihre Beobachtungen zu melden. Das Haus im Stadtteil Stötteritz war dem OAZ zufolge eigens für die Flüchtlinge hergerichtet worden.

Nicht der erste Anschlag

In Deutschland kommt es derzeit gehäuft zu Anschlägen auf geplante oder bereits belegte Flüchtlingsheime. In der Nacht auf Dienstag brannte in Nauen in Brandenburg eine als Notquartier vorgesehen kommunale Turnhalle ab, die Polizei geht von Brandstiftung aus. In Rostock in Mecklenburg-Vorpommern nahm die Polizei am Dienstag zwei Männer fest, die im Oktober 2014 ein Flüchtlingswohnhaus mit Brandsätzen beworfen haben sollen. Ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen.

Männer mit Messer in Flüchtlingsunterkunft eingedrungen

In eine andere Flüchtlingsunterkunft in Mecklenburg-Vorpommern drangen am Dienstagabend zwei mit einem Messer bewaffnete Männer vor. Die beiden hätten sich Zutritt zu dem Gelände in Parchim verschafft, teilte die Polizei in Rostock mit. Zu dieser Zeit hätten sich vor der Unterkunft mehrere Flüchtlinge aufgehalten, die rechtzeitig erkannt hätten, dass einer der Männer ein Messer mit einer 20,5 Zentimeter langen Klinge bei sich hatte.

Die Flüchtlinge brachten sich den Angaben zufolge in Sicherheit und alarmierten den Wachdienst der Unterkunft. Die beiden Männer hätten die Flucht ergriffen, seien aber bei einer Polizeifahndung gefasst worden. Sie waren demnach mit mehr als zwei Promille erheblich alkoholisiert. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen auf, gegen beide wurden Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet.

Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Täter im Alter von 29 und 31 Jahren stammten aus der Gegend. Sie gehören demnach nicht der rechten Szene an, ein fremdenfeindlicher Hintergrund ihrer Tat sei aber nicht auszuschließen.

Gauck: Kein Verständnis für Hetzer

Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete Rechtsextremisten und Ausländerfeinde unterdessen als Hetzer, die das weltoffene Bild Deutschlands beschädigen würden. Beim Besuch eines Flüchtlingsheims in Berlin zeigte er sich am Mittwoch aber überzeugt, dass sie durch die Mehrheit hilfsbereiter Menschen isoliert würden.

Er lobte die vielen Freiwilligen, "die zeigen wollen, es gibt ein helles Deutschland, das hier sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland, das wir empfinden, wenn wir von Attacken auf Asylbewerberunterkünfte oder gar fremdenfeindlichen Aktionen gegen Menschen hören".

Gauck sagte: "Es wird keinen Deutschen geben, der sich hier erlauben würde, Verständnis für diejenigen zu zeigen, die als Hetzer und Brandstifter unser Land verunzieren." Und: "Ihr repräsentiert uns nicht, und wir werden schon gar nicht dulden, dass Rechtsbrecher (...) im Ausland und im Inland für dieses Deutschland stehen, das sich heute als offenes und hilfsbereites Land darstellt." (APA, 26.8.2015)

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