Flüchtlingskinder: Gewerkschaft will Lehrer aus Herkunftsländern

26. August 2015, 07:54
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Gewerkschafter Kimberger: Pädagogen mit Sonderverträgen anstellen

Wien – Der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger, fordert mehr Personal, um die steigende Zahl an Flüchtlingskindern an den Schulen bestmöglich betreuen zu können. Ähnlich wie in den 90er-Jahren werde es notwendig sein, Lehrer aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge mit Sonderverträgen anzustellen, sagte Kimberger am Mittwoch im Ö1-"Morgenjournal".

Das Bildungsministerium hatte zuletzt ein Rundschreiben an die Landesschulräte ausgeschickt, um über die rechtlichen Grundlagen für die Aufnahme von Flüchtlingskindern zu informieren und auf unterstützende Maßnahmen hinzuweisen. Für Kimberger erfolgt dieser Schritt zu spät. Man habe schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass es Vorbereitungsmaßnahmen brauche. Ohne zusätzliche Pädagogen – vor allem für Fremdsprachen – und Sozialarbeiter werde es eine "scheinbar unlösbare Aufgabe".

In der SPÖ wundert man sich über die Aussage von Kimberger: "Es ist bedauerlich, dass Kimberger gerade ein so sensibles Thema wie Flüchtlingskinder für billige Polemik missbraucht. Gefordert sind jetzt nicht verbale Angriffe, sondern ein voller und gemeinsamer Einsatz für die Sache", so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid in einer Aussendung.

Mit seiner Forderung nach mehr Schulpsychologen "rennt Kimberger mit großer Geste offene Türen ein. Denn es ist kein Geheimnis, dass das Bildungsministerium mehr Ressourcen benötigen wird", betonte Schmid. Deshalb verhandle Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) mit dem Finanzminister auch über zusätzliche Mittel.

5.000 zusätzliche schulpflichtige Kinder

Im Bildungsministerium rechnet man aufgrund von Zahlen des Innenministeriums mit 5.000 zusätzlichen schulpflichtigen Kindern aufgrund der Flüchtlingssituation im neuen Schuljahr. Das sind etwas weniger als ein Prozent aller Kinder zwischen sechs und 14 Jahren, also im schulpflichtigen Alter, hieß es.

Unklar ist aber die Verteilung auf die einzelnen Länder bzw. Schulen. Da sich der Aufenthaltsort der Asylwerber durch neue Quartiere ändern kann, können die Landesschulräte nicht exakt planen. Insgesamt sollte es aber keine Platzprobleme geben: Die 5.000 Schüler entsprechen in etwa dem jährlichen demografischen Schülerrückgang. An Volksschulen, Haupt- und Neuen Mittelschulen gibt es laut Statistik Austria insgesamt etwas mehr als 28.000 Klassen – hochgerechnet käme damit in etwa in jede sechste Klasse ein Flüchtlingskind.

Auch die Klassenschülerhöchstzahl von 25 an den Pflichtschulen soll nicht überschritten werden. "Das geht sich sicher aus", hieß es etwa aus dem Wiener Stadtschulrat. Es gebe auch genügend Schulen mit Klassen mit nur 22 oder 23 Schülern: "Zur Not eröffnet man da oder dort eine neue Klasse." (red, APA, 26.8.2015)

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