Christian Konrad: Exgeneral auf Bettenjagd für Flüchtlinge

Kopf des Tages25. August 2015, 20:45
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Der Ex-Raiffeisenbanker wird neuer Flüchtlingskoordinator der Regierung

Beim Aufspüren von Flüchtlingsunterkünften hat Christian Konrad Erfahrung. 2004 platzte das Flüchtlingslager Traiskirchen zum wiederholten Mal aus allen Nähten, nachdem die Bezirkshauptmannschaft Baden eine Sperre des Erstaufnahmezentrums verfügt hatte. Der damalige Innenminister Ernst Strasser drohte daraufhin, täglich 50 Asylwerber abtransportieren zu lassen. Das war dem damaligen Raiffeisen-Generalanwalt zu viel.

Verärgert trommelte Konrad Manager des Raiffeisen-Reichs zusammen und quartierte Asylanten unterm Giebelkreuz ein. Über Nacht wurden in Gebäuden von zu dem grünen Riesen gehörenden Unternehmen wie Kurier, Raiffeisen-Holding und Uniqa-Versicherung in Wien und Salzburg 140 Notschlafstellen eingerichtet. Weitere hunderte Betten in Kasernen sollten folgen – organisiert von Konrads Vertrauensmann Erwin Hameseder, einem Milizoffizier und Raiffeisen-Topmanager. Blamiert waren die Bundesländer. Sie kamen – damals wie heute – ihrer (Selbst-)Verpflichtung zur Versorgung von Flüchtlingen aus Tschetschenien, dem Irak und dem Kosovo nicht nach.

Politisches Kalkül

Nun muss der als Raiffeisen-Spitzenmanager und niederösterreichischer Landesjägermeister inzwischen pensionierte Konrad erneut Jagd auf Asylquartiere machen. Dass sich störrische Landeshauptleute und Bürgermeister auf einen Infight mit dem autoritären Exbanker (Raiffeisen Wien-Niederösterreich) und Profispendensammler (die Millionen für die Wallfahrtskirche in Mariazell und den Stephansdom sind legendär) erst gar nicht einlassen und von sich aus Aufnahmebereitschaft signalisieren, mag von der Regierung wohlkalkuliert sein.

Möglicherweise auch, dass der langjährige Organisator des "Sauschädel-Essens" wieder Medienpräsenz vertragen könnte. Sein von Agrar über Banken, Versicherungen bis in die Medienbranche reichendes Netzwerk wird ihm dabei nicht schaden. Wenngleich von der Fülle an Aufsichtsmandaten, die der passionierte Wallfahrer bekleidete, nur noch eine Handvoll übrig ist – darunter jenes im Kurier, der Albertina und dem Caterer Do&Co. Sich gelegentlich an den Herd stellen und kochen wie in der "Gruft" für Obdachlose muss der 72-jährige Vater zweier erwachsener Töchter als Flüchtlingskoordinator wohl nicht. Managementqualität brauche nicht nur Traiskirchen, sagt Caritas-Präsident Michael Landau, sondern insbesondere die Kanalisierung der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. (Luise Ungerboeck, 25.8.2015)

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  • Christian Konrad koordiniert die Verteilung von Flüchtlingen.
    foto: apa/neubauer

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