Das Scheinproblem mit veganem Wein

Kolumne31. August 2015, 15:00
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Veganer Schweinsbraten, vegane Käsekrainer und jetzt auch noch veganer Wein – muss das sein?

Veganer und Fleischesser liefern sich einen erbarmungslosen Glaubenskrieg: Für die einen ist der Verzicht auf tierisches Eiweiß eine ethisch korrekte Haltung, für die anderen nichts als Wichtigtuerei. Kaum zu glauben, aber es gab Zeiten, wo Menschen gegessen und getrunken haben, worauf sie Lust hatten – ohne den Wahn, dadurch die Welt verbessern zu müssen.

Der Vegan-Hype hat nun auch die Weinszene erfasst. Wein ist bekanntlich ein pflanzliches Produkt – manche Winzer verwenden aber im Keller tierische Eiweiße, um Trubstoffe zu binden. Vor der Flaschenfüllung werden sie entfernt. Im Wein bleiben also kaum Rückstände von Eiweiß – immer noch zu viele für Veganer!

Die meisten Weine sind ohnehin vegan

Dabei ist das Ganze ein Scheinproblem: Die meisten Weine sind ohnehin vegan, weil entweder Bentonit, also Mineralerde, verwendet oder gar nicht geschönt wird. Vor allem Biowinzer lehnen derlei Eingriffe grundsätzlich ab. Trotzdem gibt es immer mehr zertifiziert vegane Weine. Stellt sich die Frage, ob Veganer, die ja nicht gerade als zügellose Genussmenschen gelten, überhaupt Wein trinken? Veganer Lifestyle scheint eine Art Heilsversprechung der Gegenwart zu sein – sind da Rauschmittel überhaupt geduldet? Man kann ja auch ohne Alkohol Spaß haben – das wussten schon unsere Erziehungsberechtigten. (Christina Fieber, Rondo, 30.8.2015)

  • Der vegane Lifestyle hat auch die Weinszene erreicht.
    foto: reuters / lucy nicholson

    Der vegane Lifestyle hat auch die Weinszene erreicht.

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