Massaker in Bosnien: Prozess um 16-fachen Mord in Linz

25. August 2015, 15:51
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Aus Bosnien stammender Oberösterreicher angeklagt – Staatsanwaltschaft wirft ihm auch dreifachen Mordversuch vor

Linz – Der bereits angekündigte Prozess gegen einen aus Bosnien-Herzegowina stammenden, 47-jährigen Oberösterreicher wegen 16-fachen Mordes und dreifachen Mordversuchs wird im Dezember im Landesgericht Linz starten. Das teilte es am Dienstag mit. Der Angeklagte soll während des Bosnienkrieges an einem Überfall von Bosniaken (Muslimen) auf ein von Serben bewohntes Dorf mitgewirkt haben.

Der Beschuldigte soll laut Anklage einer Militäreinheit angehört haben. Die Gruppe habe das Dorf Serdari zunächst tagelang ausgespäht und in den frühen Morgenstunden des 17. September 1992 – ausgerüstet mit halbautomatischen Waffen und Sprengmitteln – überfallen. 16 Zivilisten, darunter zwei Kinder, seien gezielt getötet worden, so die Staatsanwaltschaft. Drei weitere Opfer überlebten das Massaker knapp. Dann soll die Gruppe elf Häuser niedergebrannt haben.

Militärisch organisierte Einheiten

Die Anklage sieht in dem Überfall einen geplanten Racheakt für Gewalttaten von Serben. Die Sache sei demnach exakt vorbereitet worden: Mehrere militärisch organisierte Einheiten hätten jeweils bestimmte Aufgaben übernommen, etwa das Auskundschaften oder die Sicherung des Rückzugs. Der Angeklagte habe jener Gruppe angehört, die den eigentlichen Angriff ausführte.

Da der 47-jährige österreichischer Staatsbürger ist, wurde er nicht ausgeliefert, sondern muss sich in Linz vor Gericht verantworten. Mehrere Mittäter wurden im Jänner von einem Gericht in Bosnien verurteilt. Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer mehr als 200 Seiten umfassenden Anklageschrift auf die Protokolle und Beweisergebnisse aus diesem Verfahren.

Für den Prozess ab 2. Dezember in Linz hat das Gericht vorerst 30 Verhandlungstage geplant. Mindestens 23 Zeugen sollen gehört werden. Dem Beschuldigten drohen im Fall einer Verurteilung fünf bis 20 Jahre Gefängnis. Zu lebenslanger Haft kann er nicht verurteilt werden, weil die Taten dafür bereits zu lange zurückliegen. (APA, 25.8.2015)

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