Viet Cong: Pelzmützen im Mekongdelta

25. August 2015, 15:48
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Ihre Schönheit taut erst langsam auf, dann aber richtig: Die kanadische Band gastiert kommenden Montag im Wiener Chelsea

Wien – Der Sound ist auf Garagenrock getuned, auf Lärm, den ein paar Akkorde wiederholen, bis es wehtut. Die Stimme ist ins letzte Eck gemischt, unten wummern Bass und Schlagzeug sowie Störgeräusche aus dem Laptop. Das ist beim ersten Hören keine einladende Musik. Es sei denn, man läutet gerne an Türen, an denen unter dem Antlitz eines Bluthundes die Worte "Fuck off!" stehen. Gesetzt in frischem Blut. Erst gegen Ende des ersten Liedes des titellosen Debütalbums der kanadischen Band Viet Cong entblößt sich eine versteckte Schönheit über eine fast schon ins Süßliche kippende Melodie.

Nun ist es ein alter Kunstgriff, die eigentlich zu transportierende Kunde von jeder Menge Unrat eine Zeitlang bedeckt zu halten. So alt wie Punk. Doch der Vierer aus Calgary beherrscht diese Kunst nicht nur, er erschafft mit seiner widerborstigen Art eine ziemlich verwegene Ästhetik, weshalb die Musik von Viet Cong gerne mit dem Label Postpunk versehen wird. Am Montag geben sie ihre Österreichpremiere im Wiener Chelsea. Der nicht unpassend Matt Flegel gerufene Sänger und Bassist der Band sagt über die Entstehung ihrer Musik, sie sei das Resultat langer, kalter Winter im hohen Kanada.

Das mag zwar anlasskokett gesagt sein, passt aber. Wenn man sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlt, mit ein paar Leidensgenossen in die Garage schleicht und dort loslegt. Mit klammen Fingern, mit zittrigen Knien, dann kann das so klingen. Der Schlagzeuger trägt sogar im Konzert manchmal eine Pelzmütze, man weiß ja nie, wann der Winter einbricht. Langsam spielt die Band sich warm, plötzlich passt alles zusammen, klingt nach Joy Division in Holzfällerhemden, nach Wipers im Konfirmationsanzug.

Und der Name? Mit dem dachte man zumindest in den USA ein wenig provozieren zu können. Dass man damit vietnamesische Freunde beleidigt, habe man erst entdeckt, als es schon zu spät war. Sagt ja niemand, dass Provokation immer durchdacht sein muss. Die Musik ist das schon, baut sich sukzessive auf, ist so heftig wie infizierend. Nur an das Mekongdelta denkt man dabei beim besten Willen nicht. (Karl Fluch, 26.8.2015)

Viet Cong live: 31. 8., Chelsea, Lerchenfelder Gürtel, Bögen 29-32, 21.00

  • Erschafft mit ihrer nicht gleich sichtbaren widerborstigen Art eine verwegene Ästhetik – die Band Viet Cong.
    foto: david waldman

    Erschafft mit ihrer nicht gleich sichtbaren widerborstigen Art eine verwegene Ästhetik – die Band Viet Cong.

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