Bücher: Wissen, wie Sterben geht

Rezension1. November 2015, 12:00
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Die Ratgeberliteratur scheut auch den Tod nicht. Eine Auswahl an aktueller Literatur über die richtige Art zu sterben

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foto: verlag haymon

Modernes Finale

Günther Loewit kennt sich aus mit dem Tod. Er ist Arzt. Sein aktueller Befund: "Es ist derzeit keine therapeutische Option, den körperlichen Tod in Kauf zu nehmen, um das seelische Wohlbefinden zu wahren. Die moderne Medizin steht der Seele und ihren Bedürfnissen ebenso hilflos gegenüber, wie die Religion jahrhundertelang dem Körper verständnislos gegenüber gestanden ist."

Das bedeutet: Wir sterben versehentlich. Während einer letzten OP. Oder auf der Intensivstation. Nicht selten einsam. Seine Conclusio: Der Mensch hat verlernt, dass der Tod Teil des Lebens ist. Deshalb ist die Gesellschaft kaum mehr bereit zu sagen: "Ein Mensch darf sterben."

Loewit fordert mehr menschliche Begleitung und weniger intensivmedizinische Behandlung. "Sterbende können umso leichter loslassen, je weniger man medizinisch versucht, sich dagegen zu wehren." Oder wie es Sokrates formulierte: "Ganz gesund ist man erst, wenn man tot ist."

Günther Loewit
Sterben. Zwischen Würde und Geschäft
Haymon, 2015
328 Seiten, 12,95 Euro

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