Twitter sperrt Seiten für gelöschte Politiker-Tweets

25. August 2015, 13:24
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Diplotwoops und Politwoops sammeln Tweets in über 30 Ländern

Bei maximal 140 Zeichen muss man sich gut überlegen, welche Worte man für einen Tweet wählt. Manchmal geht das in die Hose und man versucht den Fauxpas ungeschehen zu machen, indem man den Tweet löscht. Bei Politikern kann das Gelöschte durchaus brisant sein. Die Seiten Diplotwoops und Politwoops haben es sich zur Aufgabe gemacht, das zu konservieren, was Politiker und Diplomaten unter den Teppich kehren wollen. Twitter hat dem nun jedoch einen Riegel vorgeschoben.

Schnittstelle gesperrt

Twitter verwehrt dem Betreiber der beiden Portale, der Open State Foundation, seit kurzem den Zugriff auf seine Schnittstelle. Schon zuvor war das API für die US-Version von Politwoops gesperrt worden. Nun folgten die restlichen Seiten, die Politiker-Accounts in 30 Ländern und jene des EU-Parlaments beobachteten. Die Seite wurde 2010 im Rahmen eines Hackathons in den Niederlanden ins Leben gerufen. Auf Diplotwoops wurden seit 2014 auch gelöschte Tweets von Diplomaten und Botschaften wieder sichtbar gemacht.

Twitter habe gegenüber der Open State Foundation angegeben, dass man die Entscheidung "nach sorgfältiger interner Überlegung" getroffen habe. Einen Tweet wieder zu löschen sei ein legitimer Ausdruck für einen Nutzer. "Man stelle sich vor wie nervenaufreibend – geradezu erschreckend – es wäre einen Tweet zu schreiben, wenn dieser unveränderbar und unwiderruflich wäre", so Twitter. Es soll keinen Unterschied zwischen privaten und offiziellen Nutzern geben.

Neue Möglichkeiten gesucht

Bei der Open State Foundation sieht man das anders. "Was gewählte Politiker öffentlich sagen, ist eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse. Auch wenn die Tweets gelöscht werden, sind die Teil der parlamentarischen Geschichte", sagt der Direktor der Foundation, Arjan El Fassed. Es gehe nicht um Tippfehler, sondern um einen Einblick wie Nachrichten von Politikern ohne weiteren Kommentar geändert werden können.

Man will nun Wege finden, wie man öffentliche Aussagen von Politikern weiterhin zugänglich machen kann. (br, 25.8.2015)

  • Was Politiker auf Twitter gelöscht haben, holte die Open State Foundation wieder ans Tageslicht. Nun hat Twitter einen Strich durch die Rechnung gemacht.
    foto: apa/epa/justin lane

    Was Politiker auf Twitter gelöscht haben, holte die Open State Foundation wieder ans Tageslicht. Nun hat Twitter einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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