Wiener Wohnungsmarkt: Eigentum erstmals seit 2008 günstiger

25. August 2015, 12:38
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Wohnungsgrößen gingen stark zurück – Remax sieht anhand aktueller Zahlen das prognostizierte Ende des starken Preisanstiegs bestätigt

Im ersten Halbjahr 2015 wechselten 21.500 Eigentumswohnungen in Österreich den Besitzer. Das waren um 36 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2014, wie aus einer Detailanalyse von Remax, basierend auf der Kaufvertragssammlung von ImmoUnited, hervorgeht. Der Wert der im ersten Halbjahr gehandelten Wohnungen stieg um 966 Millionen Euro (plus 30,5 Prozent) auf 4,13 Milliarden Euro.

Typische Wohnung um zwei Prozent günstiger

Eine typische Wohnung (Median-Preis; 50 Prozent teurer, 50 Prozent billiger) kostete im ersten Halbjahr in Österreich 170.453 Euro, das waren um zwei Prozent weniger als vor einem Jahr. Jede vierte Wohnung kostete weniger als 99.000 Euro, das war vor einem Jahr ganz ähnlich. Im oberen Preisviertel mussten die Käufer aber nur noch ab 232.433 Euro investieren, diese Schwelle sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 um 2,7 Prozent.

"Bereits im Jahr 2014 verzeichneten wir am Jahresende ein All-Time-High am Eigentumswohnungsmarkt. 2015 ist der Markt quasi explodiert – und zwar nicht preismäßig, sondern mengenmäßig", kommentiert Remax-Austria-Geschäftsführer Bernhard Reikersdorfer. "Das heißt auch, dass die von uns angekündigte Entspannung eingetroffen ist."

Preise stiegen um 34 Prozent seit 2010

Nicht nach ganzen Wohnungen, sondern nach Quadratmetern betrachtet, legten die Preise zuletzt im Jahresvergleich nur noch um 1,5 Prozent zu – in den Vorjahren waren die Steigerungsraten auch schon einmal im zweistelligen Bereich zu finden. Im Fünf-Jahres-Vergleich von 2010 auf 2015 ergibt sich hier deshalb immer noch eine Preissteigerung von 34 Prozent. In Wien sind es sogar mehr als 50 Prozent (siehe unten).

Bundesweit kostet ein Quadratmeter Wohnungsfläche aktuell im Schnitt 2.719 Euro. Das untere Viertel legte gegenüber dem Vorjahr nochmals um 3,2 Prozent zu, während das obere Viertel nur noch um 0,9 Prozent teurer wurde. Reikersdorfer sieht darin "durchaus ein Indiz dafür, dass die Leistbarkeit der Wohnungspreise auch im gehobenen Segment nicht endlos ausdehnbar ist".

Kleinere Größen

Die typische gehandelte Eigentumswohnung wurde unterdessen erheblich kleiner. Im ersten Halbjahr 2015 war sie nur noch 67 m² groß; vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 78 m². "Kleinere Wohnungen sind derzeit leichter zu vermitteln und leichter zu vermieten. Auch der demografische Wandel in Richtung mehr Singles und kleinere Familien unterstützt diesen Trend", sagt Anton Nenning, Managing Director bei Remax Austria. "Und nicht zuletzt sind auch die Wohnungspreissteigerungen der vergangenen Jahre mit dafür verantwortlich, dass sich finanziell bei so manchen Käufern nur mehr eine kleinere Wohnungsfläche ausgeht."

Wien: Erster Preisrückgang seit 2008

Diese Größenveränderung schlägt sich vor allem in der Wiener Statistik zu Buche: in der Bundeshauptstadt wurden im ersten Halbjahr 6.200 Wohnungen im Grundbuch verbüchert, das waren um 32 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Gesamtwert stieg aber nur um 16,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Wohnungsgröße ging um 16 Prozent zurück, nämlich von 75 m² auf 63 m².

Die typische Wiener Wohnung kostete heuer im ersten Halbjahr 3.373 Euro pro Quadratmeter. Das waren immer noch um 54,7 Prozent mehr als im ersten Halbjahr des Boomjahres 2010, im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2014 ergab sich damit aber ein Preisrückgang um 1,4 Prozent – der erste seit 2008.

Gesamtpreise in Wien um 9,1 Prozent tiefer

Das untere Viertel kostete in Wien zwar mit 2.595 Euro um 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr, die Schwelle zu den teuersten 25 Prozent der Wiener Wohnungen (4.153 Euro) lag aber um 1,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der durchschnittliche Preis für eine Eigentumswohnung in Wien lag im ersten Halbjahr 2015 bei 197.639 Euro. Das untere Viertel kostete weniger als 114.000 Euro, das obere Viertel mehr als 270.000 Euro.

Angesichts der verringerten Wohnungsgrößen gingen die Gesamtpreise für Wiener Wohnungen sogar um 9,1 Prozent zurück, berichtet Remax. Im ersten Bezirk zahlten die Wohnungskäufer im Schnitt 672.354 Euro und damit um 16 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Ausnahmen von diesem Trend waren nur die Bezirke Wieden, Simmering und Meidling, dort zogen die Gesamtwohnungspreise an. (mapu, 25.8.2015)

  • Die typische Wiener Wohnung kostete im ersten Halbjahr 3.373 Euro pro Quadratmeter, das war um 1,4 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2014.
    foto: apa/hochmuth

    Die typische Wiener Wohnung kostete im ersten Halbjahr 3.373 Euro pro Quadratmeter, das war um 1,4 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2014.

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