Unis fördern Frauen, aber kaum soziale Durchlässigkeit

25. August 2015, 12:31
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Hochschulgespräche widmen sich der sozialen Ungleichheit

Alpbach – Die Alpbacher Hochschulgespräche (26.-27.8.) widmen sich heuer vor allem der sozialen Ungleichheit an den Hochschulen. In den Leistungsvereinbarungen der Unis ist dieses Thema aber kaum präsent. Dort gibt zwar jede Universität eine Erhöhung des Frauenanteils oder der Geschlechtergerechtigkeit als Ziel aus – einer Erhöhung der sozialen Durchlässigkeit verschreibt sich kaum eine Einrichtung.

In den Leistungsvereinbarungen zwischen den einzelnen Unis und dem Bund werden neben strategischen Zielen sowie Maßnahmen in Lehre, Forschung und Weiterbildung auch unter anderem "Gesellschaftliche Zielsetzungen" festgehalten. Priorität haben dabei vor allem die Vorhaben im Bereich "Gender Mainstreaming", "Gender Budgeting" und "Frauenförderung", wie etwa der Wissenschaftsrat in einer Analyse festgestellt hat. In diesen Bereichen setzten sich die Unis auch konkrete Ziele wie etwa die Erhöhung der Zahl der Professorinnen.

Wenig Maßnahmen für soziale Durchlässigkeit

Häufig angesprochene gesellschaftliche Zielsetzungen sind auch Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Studium und Familie, zur Gesundheit am Arbeitsplatz Universität oder zur Barrierefreiheit. Maßnahmen zur Erhöhung der sozialen Durchlässigkeit finden sich in den gesellschaftlichen Zielsetzungen von nur vier Unis.

Die Uni Wien gab etwa als Ziel die Steigerung der Zahl der Studierenden mit Migrationshintergrund aus. Die Uni Salzburg verschreibt sich einer besseren sozialen Durchmischung an Schulen und Unis: Im Rahmen eines Forschungsprojekts sollen Kinder aus bildungsfernen Familien "ermutigt werden, ihr Bildungspotenzial besser auszuschöpfen" und Lehramtsstudierende als Mentoren ihre sozialen und psychologischen Kompetenzen stärken. Konkrete, in Zahlen fassbare Ziele gibt man sich aber nicht vor.

An der Uni Klagenfurt will man die soziale Durchlässigkeit durch die "Weiterführung des Sozialfonds für sozial besonders bedürftige Studierende aus dem In- und Ausland" sowie die "Identifikation von Prüfungsaktivitäts- & Abschlusshemmern" fördern – auch hier gibt es aber keine konkreten Ziele oder messbare Vorgaben. Die Veterinärmedizinische Universität wiederum will die soziale Durchlässigkeit durch den Einsatz von TutorInnen, ein Computerzentrum oder günstige Wohnmöglichkeiten im lokalen Umfeld verbessern. Konkrete Ziele gibt es auch hier nicht.

Das erste Kinder, das studiert

Bei den Hochschulgesprächen im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach werden Vorreiter aus Europa Projekte zur Förderung der Chancengleichheit im Hochschulbereich präsentieren. In Deutschland etwa gibt es die gemeinnützige Initiative "Arbeiterkind.de" mit rund 6.000 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Diese ermutigen SchülerInnen aus Familien, in denen noch niemand studiert hat, zum Schritt an eine Hochschule und unterstützen sie bis zum Studienabschluss. Welchen Beitrag Universitäten zur Bewältigung von Ungleichheit leisten sollten, wird der US-Ökonom Jeffrey D. Sachs in einem Vortrag beleuchten. (APA, 25.8.2015)

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