Forum Alpbach: Androsch sieht Gefahr der technologischen Abschottung

25. August 2015, 09:51
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RFT-Chef sieht Europa im Umgang mit digitalen Technologien zurück

Nicht unbedingt weniger, aber andere Jobs wird der technologische Wandel nach Einschätzung des Vorsitzenden des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch, bringen. In Österreich sei jedoch viel Furcht vor diesen Veränderungen zu beobachten, es gebe Abschottungs-Tendenzen, so Androsch im Vorfeld der Alpbacher Hochschul- und Technologiegespräche (26. bis 29. August).

"Entweder ist man mit vorne dabei oder man sackt hinten ab."

"Die digitale Revolution bietet die Möglichkeit, die in riesigem Ausmaß anstehenden Probleme zu lösen oder doch zu mildern. Dazu kommt, dass der technische Fortschritt ja gar nicht aufzuhalten ist", erklärte Androsch im Gespräch mit der APA. Die Konsequenz daraus sei: "Entweder ist man mit vorne dabei oder man sackt hinten ab." Für Europa und damit auch Österreich gelte momentan eher Letzteres.

Die USA liege im Bereich der Software vorne, gleiches gelte für China im Hardware-Sektor. Beim Einsatz von zukunftsweisenden Technologien, wie etwa Robotertechnik oder lernenden Maschinen, hätten wiederum Länder wie Japan, Südkorea und Taiwan die Nase vorne. Diesen Themen nehmen sich auch die Alpbacher Technologiegespräche (27. bis 29. August) etwa mit Diskussionen und Arbeitskreisen zu "Zukünftigem Leben mit der Maschine", "Cyber Physical Systems" oder "Human Enhancement Technologys" an.

Soziale Dimensionen "vorausahnen"

Wenn derart große Veränderungen anstehen, müsse man versuchen, die "sozialen Dimensionen" bestmöglich vorauszuahnen. "Im digitalen Zeitalter wird sich die Frage 'Gleichheit' oder 'Ungleichheit' noch mehr an Bildung, Ausbildung und Fortbildung entscheiden", zeigte sich Androsch mit Blick auf das zentrale Thema des heurigen Forums Alpbach "UnGleichheit" überzeugt. Es brauche mehr vorschulische Ganztagsbetreuung, Ganztagsschulen mit entsprechender Infrastruktur, qualifiziertes Unterstützungspersonal und nicht zuletzt mehr Geld für die Universitäten.

Dass sich hier in Österreich momentan zu wenig bewege, sei angesichts der anstehenden Veränderungen in der Arbeitswelt, die etwa der zunehmende Einzug der Robotik in die Produktion mit sich bringen wird, "umso bedauerlicher". Insgesamt glaubt Androsch, dass es nicht weniger, sondern andere, hoch qualifiziertere Arbeitsplätze geben wird. "Auf die muss man vorbereiten", sonst drohe die Gefahr größer werdender Ungleichheit.

Breitband für ländliche Regionen

Mit diesen Entwicklungen sollte offensiver umgegangen werden, etwa indem auch Menschen in ländlichen Regionen mittels Breitband-Internet an der digitalen Revolution teilnehmen können. "Wenn das fehlt, kann man moderne Produktion und Dienstleistung gar nicht errichten", so der RFT-Chef. Deutschland und Großbritannien würden hier enorme Summen investieren. In Österreich seien die dafür eingesetzten Mittel zu gering.

Insgesamt leide Österreich immer noch unter einer starken Wissenschafts- und Technologieaversion. Schaffe man hier keine Veränderungen in den Köpfen drohe eine "Deindustrialisierung" anstatt der angestrebten "Reindustrialisierung". Das Ergebnis sei "eine seit Jahren stagnierende Wirtschaft, steigende Arbeitslosigkeit und Schieflagen der öffentlichen Haushalte. Dass das ein zukunftsfähiger Weg ist, wird niemand behaupten können", erklärte der Industrielle und frühere Finanzminister.

Das Innovationssystem brauche nicht nur mehr Geld, sondern auch zusätzliche Anreize, damit hoch qualifizierte Leute das Land nicht verlassen. Sonst könne es passieren, "dass wir ihre Errungenschaften als Lizenzen zurückkaufen müssen". (APA, 25.8.2015)

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