Den Universitäten mehr Freiheit geben

Userkommentar27. August 2015, 11:43
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Die aktuell angedachten Änderungen des Universitätsgesetzes sind zaghafte, aber richtige Schritte zur Verankerung moderner Hochschulstrukturen

Die jüngst in Begutachtung geschickte Novelle zum Universitätsgesetz 2002 hat wenig überraschend zu heftiger reflexiver Ablehnung seitens der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) geführt. Fortführung und Änderungen bei Zugangsbeschränkungen und Studieneingangsphasen wurden als "neoliberale Bildungspolitik" gegeißelt und erstere als "oberflächliche Symptombekämpfung" abgetan.

Tatsächlich orientiert man sich bei den geplanten Änderungen der Studieneingangsphase (Steop) am Evaluierungsbericht des Instituts für höhere Studien (IHS). Die Studienautorinnen und -autoren hatten entgegen medial wirksam geäußerter Befürchtungen, dass die Steop sozial selektiv wirke, diesbezüglich Entwarnung gegeben. Allerdings wurde die sehr unterschiedliche Umsetzung seitens der Universitäten kritisiert. Das erschwert Vergleichbarkeit und Evaluierungsmöglichkeit und führt verständlicherweise auch zu Verunsicherung bei Studierenden und ihrer Vertretung. Die angedachte Vereinheitlichung und die mögliche Integration weiterführender Lehrveranstaltungen in die Curricula schon während der Steop-Phase sind genauso ein Schritt in die richtige Richtung, wie die Möglichkeit in Zukunft dreimal zu einer Prüfung antreten zu können.

Notwendige Flexibilisierung

Weniger Echo hat hingegen ein anderer Teil der Novelle hervorgerufen, nämlich die strukturelle Flexibilisierung im Zusammenhang mit den assoziierten Professoren. Durch die Änderungen im § 99 UG soll die momentan starre Trennung zwischen ordentlichen Universitätsprofessorinnen und -professoren sowie Universitätsdozentinnen und -dozenten insofern aufgebrochen werden, als dass man der zweitgenannten Gruppe ein vereinfachtes Berufungsverfahren und auch der Wechsel in die Kurie ermöglichen wird. Als Voraussetzung wird ein "hinreichendes, internationalen kompetitiven Standards entsprechendes Qualifizierungsverfahren" genannt; es obliegt der jeweiligen Universität, die Kriterien hier sinnvoll festzulegen.

Dass dieses legistische Vorhaben des Wissenschaftsministers nicht nur Zuspruch finden wird, liegt auf der Hand. Will man sich aber an den besten und innovativsten Hochschulen weltweit orientieren, so führt an dieser notwendigen Flexibilisierung kein Weg vorbei. Damit wird auch die Erstellung eines Plans zu Personalstrategie und -entwicklung gemäß der Vorgaben durch die Leistungsvereinbarungen erleichtert.

Bessere Rahmenbedingungen

Ein wenig erfreuliches Kapitel, das seit Jahren für Diskussionen sorgt, ist das der Kettenvertragsregelungen. Die bislang strikte Festschreibung hat zu kreativen Umgehungslösungen angeregt, die leider oftmals in prekäre Situationen für die betroffenen jungen Forschenden führten. Angesichts dieser sich abzeichnenden Perspektivenlosigkeit in der angestrebten Forschungskarriere haben sich die Befristungen auch zu einem effizienten Werkzeug des "Brain-Drain" entwickelt: Wenn es den Universitäten aufgrund starrer Regelungen nicht möglich ist, die besten Köpfe zu halten und nachvollziehbare Karrieremöglichkeiten anzubieten, dann läuft tatsächlich einiges falsch. Diese Restriktionen mit notwendiger Auslandserfahrung und internationaler Vernetzung zu begründen war nur eine Krücke für ein nicht funktionierendes System. Darum ist es erfreulich, dass auch hier Veränderung angedacht ist.

... trotzdem nur kleine Verbesserungen

Die UG-Novelle 2015 kann also, bei entsprechender Umsetzung, ein weiterer kleiner Schritt in Richtung deutlicherer Profilierung der österreichischen Universitäten und der Verbesserung der Rahmenbedingungen für freie Forschung und Lehre sein. Die wirklich großen Schritte fehlen leider wieder einmal. So würde eine durchkalkulierte Studienplatzfinanzierung ein effizientes Instrument zur Erhöhung der Planungssicherheit der Universitäten darstellen und die Qualität der Lehre im Sinne der Studierenden erhöhen. Vielleicht kommt ja doch einmal der Tag an dem Universitätspolitik nicht mehr vordergründig mit ideologischen Scheuklappen gemacht wird. Bis dahin müssen wir aber noch warten. (Niki Scherak, 27.8.2015)

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