China in der Krise: Grenzen der Planwirtschaft

Kommentar24. August 2015, 17:41
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Bürokraten wie Unternehmen oder Managern fehlt jede Erfahrung mit deutlich geringerem Wachstum

Ratlosigkeit in Peking: Weder ein ausgewachsener Börsencrash noch ein heftiger Konjunktureinbruch waren im Fünfjahresplan 2011 bis 2015 der Volksrepublik China vorgesehen. Vielmehr hätte sich in diesem Zeitraum der Wandel von einer exportorientierten Volkswirtschaft zu einer vom Binnenmarkt getriebenen Konjunktur mit immer noch ansehnlichen Wachstumsraten von jährlich sieben Prozent vollziehen sollen. Allein, weder die Realwirtschaft noch die Finanzmärkte wollen offenbar nach der Pfeife bürokratischer Erbsenzähler tanzen.

Wie der Ausverkauf an den Börsen zeigt, der auch die westlichen Finanzmärkte mit aller Wucht trifft, liegen bezüglich China die Nerven blank. Das siebenprozentige Wachstumsziel wirkt angesichts der täglich eintreffenden Hiobsbotschaften aus der neben den USA größten Volkswirtschaft inzwischen illusorisch, womit wohl die meisten Prognosen für die globale Konjunktur hinfällig sind.

Gegen den Wegfall Chinas als Konjunkturlokomotive werden sich die Machthaber in Peking freilich mit aller Macht sowie mit hoheitlichen Zwangsmaßnahmen stemmen, wie sie es bereits beim Krach der Börsen in Schanghai und Shenzhen getan haben. Doch die erhoffte Wirkung der Stützungsversuche der Aktienmärkte ist nur vorübergehend eingetreten – und hat letztlich viel Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der planwirtschaftlichen Wirtschaftslenker gekostet.

Nun stehen diese vor der wesentlich heikleren Aufgabe, die Realwirtschaft auf Schiene zu halten; eine Situation, die für alle Beteiligten Neuland darstellt, schließlich ist das Land seit Jahrzehnten mit Wachstumraten jenseits der Sieben-Prozent-Marke gelaufen. Dementsprechend fehlt Bürokraten wie Unternehmen oder Managern jede Erfahrung mit deutlich geringerem Wachstum. Somit bleibt als entscheidende Frage, um wie viel kleiner die Brötchen ausfallen werden, die im Reich der Mitte gebacken werden.

Unter diesem Blickpunkt ist auch das Absacken der westlichen Börsen zu sehen. Es kann bei einer größeren Korrektur nach den jahrelangen Anstiegen bleiben, die noch dazu in die traditionell schwächste Jahreszeit an den Börsen und mit der Diskussion um erste Zinserhöhungen in den USA zusammenfällt. Oder es müssen die Spielregeln der Weltwirtschaft und an den Börsen neu geschrieben werden. Das Zeug zu einem sogenannten "Game Changer" hat eine dauerhafte Abkühlung in China allemal. (Alexander Hahn, 24.8.2015)

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