Wie sich Mistkäfer an der Milchstraße orientieren

24. August 2015, 21:34
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Skarabäen schaffen es tagsüber wie nachts, ihre Kugel vom Dunghaufen schnurgerade ins Nest zu rollen. Ihr Navigationssystem operiert dabei unterschiedlich

Lund/Wien – Die südschwedische Stadt Lund hat nicht viel mehr als 100.000 Einwohner. Die Universität der Stadt allerdings ist eine der traditionsreichsten Skandinaviens und belegt in den globalen Universitätsrankings regelmäßig Plätze unter den ersten hundert. In einem speziellen Fachbereich ist die Uni Lund allerdings weltweit Spitzenreiter: in der Mistkäferforschung.

In den vergangenen Jahren haben die Forscher, die in einem interdisziplinären Verbund über visuelle Ökologien arbeiten, allerlei Erstaunliches über Skarabäen herausgefunden. So klärten die Biologen, warum die Insekten in der Hitze so viel Zeit auf den feuchten Dungkugeln verbringen: nämlich um sich in der afrikanischen Hitze die "Füße" abzukühlen.

Erstaunliche Orientierung

Besonders hat es den Biologen aber die Fähigkeit der Tiere angetan, sowohl bei Tageslicht wie auch in der Nacht die Orientierung zu bewahren und ihre Kugel stets schnurgerade vom Kothaufen in ihre eigene Höhle zu rollen. Die Erforschung des Käfer-GPS zeigte bisher unter anderem, dass ihre Drehtänze dazu dienen, sich an der Sonne zu orientieren.

Sehr viel erstaunlicher ist aber die Orientierung jener Mistkäferarten, die in der Nacht ihre ruhige Kugel schieben. Denn sie finden in sternklaren Nächsten auch ohne Mond den Weg. Nach Experimenten mit Mistkäfern in Südafrika wurde klar, dass die Milchstraße ein nächtlicher Kompass der Skarabäen ist. Damit sind die Insekten die bisher einzigen bekannten Tiere, die sich an einer Galaxie orientieren.

Doch welche Unterschiede gibt es im Navigationssystem der tagaktiven und der nachtaktiven Mistkäfer? Dieser Frage geht die jüngste Untersuchung des schwedischen Forscherteams um Marie Dacke nach. Und abermals machten die Wissenschafter eine verblüffende Entdeckung, als sie die jeweiligen Spezies zu einer ihnen ungewohnten Tageszeit die Kugel rollen ließen.

Wechselbare Navigation

Wie Dacke und ihre Kollegen im Fachblatt "PNAS" berichten, orientieren sich die tagaktiven Käferarten auch in der Nacht an Himmelskörpern wie dem Mond, auch wenn das Licht um eine Million Mal schwächer ist. Anders ist das bei den nachtaktiven Mistkäfern, die sich nachts nicht direkt am Mond, sondern an seinem polarisierten Licht ausrichten, also eine ganz andere Art von Licht-Navigationssystem verwenden.

Wenn diese Käfer dann aber tagsüber ihren Weg finden müssen, dann schalten auch sie ihr Navi vom polarisierten Licht auf das direkte Licht der Sonne um, wie sich auch an der Aktivität der Kompassneuronen im Käfergehirn ablesen ließ. (Klaus Taschwer, 24.8.2015)

  • Skarabäen sind die einzigen bekannten Tiere, denen die Milchstraße den Weg weist und die tagsüber und nachts ein anderes GPS haben.
    foto: emily baird

    Skarabäen sind die einzigen bekannten Tiere, denen die Milchstraße den Weg weist und die tagsüber und nachts ein anderes GPS haben.

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