FPÖ ruft auf Plakaten zur "Revolution" im Oktober auf

24. August 2015, 18:01
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FPÖ-Chef Strache will Wien von "abgehobener, selbstgerechter Polit-Aristokratie" befreien – Wahlzentralen sind Wirtshäuser, Kaffeehäuser und Straßen

Wien – Zu Wahlkampfzwecken hat die FPÖ vor Jahren eine Ähnlichkeit zwischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dem linken Revolutionär Che Guevara herzustellen versucht.

Vor der aktuellen Wien-Wahl wird auf Plakaten der Begriff "Oktoberrevolution" strapaziert. Der historische Kontext – die gewaltsame Machtübernahme durch die russischen kommunistischen Bolschewiki 1917 – ist den Freiheitlichen aber bekannt, "Revolution" steht daher unter Anführungszeichen. "Es ist möglich, dass ich die Chance erhalte, Bürgermeister von Wien zu werden", sagte Strache bei der Präsentation. Auf den Plakaten ist diese Aussage in bewährter Manier in einen Reim verpackt: "Wien tauscht Häupl gegen HC Strache und nimmt für Rotgrün süße Rache."

"Frontalangriff" gegen Häupl

Strache wolle Wien von der "abgehobenen, selbstgerechten Polit-Aristokratie" befreien. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sei längst pensionsreif. FPÖ-Generalsekretär und Wahlkampfleiter Herbert Kickl bezeichnete die erste von drei Plakatwellen als "Frontalangriff" gegen Häupl und eine "inhaltsleere, abgehalfterte SPÖ". Für Strache sei Häupl ein "Ankündigungsriese und Umsetzungszwerg". Dirty Campaigning, sagte Strache wenig später in der gleichen Pressekonferenz, überlasse er den Mitbewerbern.

Beim durchaus kontroversen Begriff "Revolution" im Wahlkampfplakat – noch dazu in Verbindung mit dem Oktober – verwies Kickl auf Immanuel Kant und auf dessen Hauptwerk ("Die Kritik der reinen Vernunft"). "Wenn nichts gelingt, muss man die Methode ändern", sagte Kickl. "Das gilt auch für politische Verhältnisse."

"Freiheitliche Themenvielfalt"

In den noch kommenden zwei Plakatserien Mitte September und Anfang Oktober würden auch Themen aus der "freiheitlichen Themenvielfalt" wie Asyl, Arbeitslosigkeit oder Sicherheitspolitik eine Rolle spielen. Der offizielle Wahlkampfauftakt erfolgt laut Kickl am 4. September am Viktor-Adler-Markt, gefolgt von einem Fest am 12. September im Wiener Prater, bei dem "10 Jahre HC Strache" gefeiert wird.

Die FPÖ habe – anders als die SPÖ oder die Grünen – keine teure Wahlzentrale, keinen sogenannten War Room, sagte Landesparteisekretär Toni Mahdalik. "Unsere Wahlzentralen sind Wirtshäuser, Kaffeehäuser, Straßen und Plätze der Stadt Wien." (David Krutzler, 24.8.2015)

Anmerkung: In der Erstfassung des Artikels gab es das Zitat: "Für Strache sei Häupl ein 'Ankündigungszwerg und Umsetzungsriese'. Das tatsächliche Zitat lautet: "Für Strache sei Häupl ein 'Ankündigungsriese und Umsetzungszwerg'. Wir bedauern.

  • Strache präsentierte die ersten Wahlkampfsujets vor der Wahl.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Strache präsentierte die ersten Wahlkampfsujets vor der Wahl.

  • 2007 wurde für Strache auf T-Shirts mit dem verfremdeten Konterfei des linken Revolutionärs Che Guevara geworben.
    foto: apa/roland schlager

    2007 wurde für Strache auf T-Shirts mit dem verfremdeten Konterfei des linken Revolutionärs Che Guevara geworben.

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