Russland düpiert Japan in der Kurilen-Inselfrage

24. August 2015, 16:52
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Ministerpräsident Medwedew besucht die Insel Iturup, Japans Außenminister Fumio Kishida sagt Moskau-Besuch ab

Tokio – Vergangenes Wochende besuchte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew die nördlich von Japan gelegene Insel Iturup, in Japan Etorofu genannt, die zur Inselgruppe der Kurilen gehört. Medvedev besichtigte auf der Insel Infrastruktureinrichtungen, inspizierte den Bau eines Flugplatzes und machte mit Worten und Gesten deutlich, dass Russland die Inseln als nicht verhandelbares Territorium betrachtet.

Die Insel gehörte wie alle Kurileninseln früher zu Japan, wurde aber nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der Sowjetunion annektiert. Japan verlangt bis heute die Zurückgabe der Inseln, und der Inselkonflikt ist der Grund, weshalb es bis heute keinen Friedensvertrag zwischen beiden Ländern gibt.

Die japanische Regierung, die Medwedew gedrängt hatte, auf den Besuch zu verzichten, bestellte am 22. August unverzüglich den russischen Botschafter ins Außenministerium ein, wo ihm der japanische Außenminister Fumio Kishida deutlich machte, dass Medwedews Inselbesuch Japans Position in der Inselfrage zuwiderlaufe und das die Gefühle der Japaner verletze.

Russlandbesuch abgesagt

Die japanische Regierung entschied inzwischen den für den 31. August geplanten Besuch des japanischen Außenministers in Russland abzusagen. Der Besuch war als Vorbereitung des für Ende des Jahres geplanten Besuchs Präsident Wladimir Putins in Japan gedacht, bei dem Premier Shinzo Abe mit Putin über die Inselfrage sprechen wollte.

Japan bietet ja im Gegenzug für die Rückgabe eines Teils der Inseln großzügige technische und finanzielle Hilfe bei der Entwicklung Ostsibiriens an. Auch nach dem Inselbesuch von Ministerpräsident Medwedew will die japanische Regierung an einem Treffen von Premier Abe mit Präsident Putin festhalten. Jetzt denkt man in Tokio an ein Treffen bei den großen internationalen Gipfeltreffen im Spätherbst.

Sanktionen: Japan zurückhaltend

Medwedews Besuch auf den Kurilen muss im Zusammenhang mit den Sanktionen, die Japan nicht zuletzt auf der Druck der USA gegen Russland wegen dessen Ukrainepolitik verhängt hatte, gesehen werden. Die japanische Regierung hatte sich lange Zeit unter dem Missfallen der USA mit Sanktionen gegenüber Russland sehr zurückgehalten. Japans Premier hatte ja noch ein sehr gutes Verhältnis zu Russland, als die anderen Länder der G-7 schon sehr auf Distanz zu Russland gegangen waren. Abes persönliche Affinität zu dem autoritären Putin, vor allem aber der sehnliche Wunsch der Japaner nach der Rückgabe der Inseln, dürfte dafür der Grund sein.

Dass aber ein Russland unter Präsident Putin den japanischen Wünschen nachkommt, ist kaum vorstellbar. Putin ist zu sehr Machtpolitiker, um zu akzeptieren, dass Japan sich an der westlichen Sanktionspolitik gegenüber Russland beteiligt und gleichzeitig mit Russland über den Besitz der Kurileninseln verhandeln will.

Noch wahrscheinlicher ist, dass der Judoka Putin, der seinem Gegenüber Abe und seinen Vorgängern immer eine gewisse Nähe zu Japan suggeriert hatte, dies nur aus dem Grund getan hat, um an Geld und Technik zur Entwicklung Sibiriens heranzukommen, aber niemals an eine Rückgabe einer der Kurileninseln gedacht hat. (Siegfried Knittel, 24.8.2015)

  • Dmitri Medwedew auf der Insel Iturup, in Japan Etorofu genannt.
    foto: ap//ria-novosti/dmitry astakhov

    Dmitri Medwedew auf der Insel Iturup, in Japan Etorofu genannt.

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