Europas Seen haben sich noch nicht von der letzten Eiszeit erholt

25. August 2015, 08:34
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Öterreichische Forscher analysierten Verbreitungsdaten von Süßwasserschnecken in europäischen Binnenseen der letzten 23 Millionen Jahre

Wien – Die letzte Eiszeit hat in Europas Seen nachhaltige Spuren hinterlassen. Einer neuen, im Fachjournal "PNAS" veröffentlichten Studie von Wissenschaftern des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien zufolge befinden sich diese Ökosysteme immer noch in der Erholungsphase von den Folgen der letzten großen Vereisung, die vor etwa 19.000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Damals reduzierte sich der Artenreichtum deutlich.

Die Forscher um Thomas Neubauer und Mathias Harzhauser von der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des NHM haben die Verbreitungsdaten von Süßwasserschnecken im Laufe der vergangenen 23 Millionen Jahre studiert und mit dem aktuellen Vorkommen in europäischen Seen verglichen.

Kaum beständige Hotspots

Vor der letzten Eiszeit hat es laut ihrer Analyse in Europa mehrere Seen mit hoher Vielfalt an Süßwasserschnecken gegeben, sie gelten als Biodiversitäts-Hotspots. Die einzigen heute noch existierenden Hotspots in Europa sind das Kaspische Meer und der an der Grenze zwischen Mazedonien und Albanien gelegene Ohridsee. Diese beiden Gewässer hatten auch während der unregelmäßig auftretenden Eiszeiten Bestand.

Die Wissenschafter machten sich daher auf die Suche nach den Bedingungen, unter denen in Binnengewässern große Artenvielfalt entsteht. Einen Schlüssel dazu stellt demnach die tektonische Entwicklung des europäischen Kontinents dar: Die Bildung von langlebigen Süß- oder Brackwasser-Seen in durch geologische Veränderungen neu entstandenen Becken sei entscheidend für die Entstehung eines Hotspots. Vor allem, wenn es sich dabei um Regionen handelt, die vorher Verbindungen zu Meeren hatten, heißt es in einer Aussendung der Forscher.

Größe und Klima ausschlaggebend

Zusätzlich sind die Größe des jeweiligen Gewässers und ein generell warmes Klima ausschlaggebend für die Bildung besonders artenreicher Ökosysteme. Anhand der Daten lasse sich auch das Verschwinden vieler Biodiversitäts-Hotspots zu Beginn der Eiszeiten gut nachvollziehen. "Das heutige Verbreitungsbild ist daher ein geologisch sehr junges und zum Großteil das Resultat von Rekolonialisierungen von Seen, die erst durch den Rückzug der Eismassen entstanden sind", so das Fazit der Forscher. (APA, red, 25.8.2014)

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