Erste Pilotfabrik 4.0 in Österreich eröffnet

24. August 2015, 14:23
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TU Wien und 20 Unternehmen entwickeln nahe der Wiener Seestadt Produktionsmethoden der Zukunft

Wien – Noch erinnert die Kulisse an MA 2412, das (fiktive) Amt für Weihnachtsbeleuchtung. Weit draußen vor der Stadt befindet sie sich, der Wind pfeift durch die Gegend, ringsum Gstätten. Doch ist alles hier auf die Zukunft ausgerichtet: In der Seestadtstraße 27 im gleichnamigen Stadtentwicklungsgebiet im 22. Wiener Gemeindebezirk ist am Montag die erste Pilotfabrik für Industrie 4.0 in Österreich eröffnet worden.

Noch ist Industrie 4.0 ein großes Wort, unter dem jeder sich momentan etwas anderes vorstellt, wie die Rektorin der Technischen Universität Wien, Sabine Seidler, bei einer Pressekonferenz bemerkte. Dafür wussten anwesende Politiker umso besser, um was es geht: Für den Bundesminister für Verkehr und Technologie (bmvit), Alois Stöger (SPÖ), entscheidet sich damit nichts Geringeres als die Zukunft der österreichischen Industrie, Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) bemerkte, dass jetzt "die Zeit der rauchenden Schornsteine vorbei und die Zeit der rauchenden Köpfe anbricht".

Vier Millionen Euro investiert

Mit der Pilotfabrik, die zunächst im Technologiezentrum aspern IQ angesiedelt ist, wird nahe der Seestadt ein Betrieb aufgebaut, mit dem sich heimische Unternehmen auf die Zukunft der Industrieproduktion vorbereiten sollen: durchgängige Digitalisierung und Vernetzung von Werkzeugmaschinen, Robotern und Produkten über das Internet – kurz Industrie 4.0. Auf Initiative des BMVIT und mit Unterstützung der Stadt Wien arbeitet die Technische Universität hier gemeinsam mit 20 Industrieunternehmen an neuen Methoden, Maschinen und Produktionsverfahren, die später von Unternehmen in ihre reguläre Fertigung aufgenommen werden können. Vier Millionen Euro werden dafür in der Seestadt investiert, die Hälfte davon wird vom BMVIT finanziert, der Rest von der TU und den beteiligten Unternehmen.

Individualisierung von Produkten

Ziel der von manchen Proponenten auch vierte industrielle Revolution genannten Entwicklung ist unter anderem die sogenannte variantenreiche Serienfertigung, bei der Kunden individuelle Einzelstücke vom Fließband erhalten. Beispiele dafür sind etwa maßgeschneiderte Prothesen oder persönlichen Bedürfnissen angepasste Autos. In Wien wollen TU und die involvierten Unternehmen in der Pilotfabrik auch individualisierte 3-D-Drucker produzieren.

Intelligente Produktionsformen, bei denen Maschinen selbstständig miteinander kommunizieren und sich organisieren und der Mensch bei der Fertigung in den Hintergrund gerät, stoßen nicht bei allen Betroffenen auf ungeteilte Zustimmung. Panikmache sei jedoch der falsche Zugang, meinte Stöger: "Die Entwicklung passiert mit oder ohne uns, da ist es mir lieber, sie passiert mit uns." Bis 2017 sollen dem Minister zufolge weitere drei derartige Pilotfabriken eröffnet werden. Universitäten und Unternehmen des Landes können sich dafür in Kooperation bewerben. Jeder Standort habe dabei gleiche Chancen. (kat, 24.8.2015)

  • "Die Zeit der rauchenden Schornsteine ist vorbei, jetzt bricht die Zeit der rauchenden Köpfe an" – so sprach Wiens Bürgermeister Michael Häupl anlässlich der Eröffnung der ersten österreichischen Pilotfabrik 4.0.
    foto: dpa / patrick pleul

    "Die Zeit der rauchenden Schornsteine ist vorbei, jetzt bricht die Zeit der rauchenden Köpfe an" – so sprach Wiens Bürgermeister Michael Häupl anlässlich der Eröffnung der ersten österreichischen Pilotfabrik 4.0.

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