Vielfliegen macht krank

24. August 2015, 13:00
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Businessreisende altern schneller, sind eher gestresst, depressiv und einsam. Eine Studie zeigt die negative Seite der Mobilität

Ein Leben als Geschäftsreisender ist längst nicht so glamourös, wie es sich so mancher Angestellter mit Nine-to-five-Job vorstellen mag. In einer internationalen Studie wiesen Forscher der britischen University of Surrey und der schwedischen Linnaeus University nun die negative Seite der Mobilität nach. Wie die Ergebnisse zeigen, hat Vielfliegen nicht nur physische, sondern auch psychische, emotionale und soziale Folgen. Ständiges Reisen beschleunigt den Alterungsprozess, macht depressiv und lässt soziale Beziehungen leiden, so die Ergebnisse der Studie, über die der "Economist" berichtet.

Ungesünder

Die in der Studie beschriebenen körperlichen Folgen sind vielen bekannt: Beim permanenten Wechsel der Zeitzonen hat der Körper kaum die Möglichkeit, sich zu regenerieren und zu akklimatisieren. Ständiges Fliegen bringt den natürlichen Rhythmus aus der Balance. Vielfliegende klagen häufiger über Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Weitere Folgen: Businessreisende altern offenbar schneller, haben eine geringere Lebenserwartung und ein höheres Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko.

foto: dpa/daniel reinhardt
Die weniger romantische Seite des Vielreisens zeigt eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studie: Jetsetter sind gestresster, depressiver und haben ein höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Außerdem leiden ihre Beziehungen zu Familie und Freunden.

Schließlich wirkt sich auch die Strahlenbelastung – die umso höher bei Langstreckenflügen über die Pole ist – negativ aus. Den kritischen Grenzwert erreichen bereits jene, die mehr als 85.000 Meilen (rund 136.800 km) pro Jahr mit dem Flugzeug zurücklegen. Frühere Untersuchungen zeigen: Bei mehr als 100 Flugstunden pro Jahr seien Passagiere ähnlich stark belastet wie das Wartungspersonal in Atomkraftwerken. Die Strahlenbelastung wiederum kann nach Expertenmeinung zu Krebserkrankungen führen.

Letztendlich, auch das weist die schwedisch-britische Studie wenig überraschend nach, leben Business-Traveller deutlich ungesünder und treiben weniger Sport.

Gestresst, einsam

Die psychischen und emotionalen Folgen des Vielfliegens seien komplexer, aber genauso ernst zu nehmen, schreiben die Studienautoren: Menschen, die viel Zeit auf Reisen verbringen, fühlen sich häufiger orientierungslos aufgrund des ständigen Ortswechsels und andauernden Wechsels der Zeitzonen. Sie befinden sich zudem unter ständigem Stress, "da die Zeit, die sie unterwegs sind, selten von ihrer Arbeitszeit abgezogen wird und sie außerdem Angst haben, wichtige Nachrichten zu verpassen".

Durch längere Perioden der Abwesenheit sehen sie auch Freunde und Familie seltener. "Hypermobilität ist oft eine isolierende und sehr einsame Angelegenheit", so die Forscher weiter.

foto: imago stock
Business-Traveller haben häufig Angst, dass sich während ihrer Reise zu viel noch zu erledigende Arbeit anstaut.

Beziehungen leiden

Auf das soziale Leben haben Geschäftsreisen insofern Einfluss, als dass Ehen nachweislich unter regelmäßigen räumlichen Trennung leiden. Darüber hinaus bringt die Abwesenheit eines Ehepartners (meistens ist es der Mann, der Geschäftsreisen antritt – das zeigen ebenfalls die Forscher auf) auch eine Geschlechterungleichheit mit sich: Daheimgebliebene müssen sich vermehrt um Haushalt und Kinder kümmern (die ebenfalls unter der häufigen Abwesenheit eines Elternteils leiden). Schließlich tun Geschäftsreisen auch Freundschaften nicht gut.

Selbstverständlich, räumen die Autoren der Studie schließlich ein, würden diese Effekte aber nur ein kleines Segment der Gesellschaft betreffen, dem es ohnehin sehr gut gehe. Diese "mobile Elite" zeichne sich durch ein höheres Einkommen aus – und habe dadurch auch einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung. (Lisa Breit, 24.8.2015)

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