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Projektemachen im Projective Age

27. August 2015, 09:26

Neue Reihe im Wiener MuseumsQuartier bringt Projektemacher*innen auf die Bühne

Die Reihe Die Projektemacher*innen: Szenen des Entwerfens im Wiener MuseumsQuartier bringt Kulturschaffende, WissenschafterInnen und KünstlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen und in ungewöhnlichen Konstellationen auf die Bühne. Anstatt sich in ExpertInnengesprächen über das Projektemachen auszutauschen, gehen die Beteiligten in medias res und entwerfen vor Publikum ein Projekt, das in weiterer Folge umgesetzt wird. Als ProjektmacherInnen sind etwa der designierte Direktor der Wiener Festwochen Tomas Zierhofer-Kin oder die Modeexpertin Barbara Vinken mit dabei. Die Künstler Nikolaus Gansterer und Andreas Töpfer begleiten das Geschehen mit performativen Zeichnungen. An zwei Wochenenden werden auf diese Weise vier völlig unterschiedliche Projekte entworfen.

Projekt als interdisziplinäres Werkzeug

Den InitiatorInnen Alexander Martos und Hannah Hurtzig geht es vor allem um jene Fragen und Probleme, die am Anfang eines Projekts stehen. Welche Visionen folgen der Projektidee? Welche Ideen werden verworfen und welche neuen aufgenommen? Welche Diskurse finden Eingang in die Projektskizze? Wie sieht die Toolbox von ProjektemacherInnen aus? Der ersten Skizze folgen Zeitpläne, To-do-Listen, Arbeitsverteilung, Kalkulation und schließlich Deadlines. Projektemachen ermöglicht erst das Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Wissenschaft. Das Projektemachen ist das interdisziplinäre Werkzeug und schafft die Plattform für den Austausch von Wissensformen und ästhetischen Praxen. Dabei werden unterschiedliche Denk- und Analysemodelle angewandt und hinterfragt.

Arbeiten im Projective Age

Die Projektemacher*innen-Reihe gewährt tiefe Einblicke in den Erfahrungsschatz und das Handeln von ProjektexpertInnen. So wird Tomas Zierhofer-Kin mit den DramaturgInnen Johannes Maile und Nadine Jessen eine Veranstaltungsreihe für die neuen Wiener Festwochen planen. Was üblicherweise hinter verschlossenen Türen geschieht, wird hier öffentlich gemacht. Das Publikum ist dabei, wenn ein Teil der Wiener Festwochen neu konzipiert wird. Neben diesen spannenden Einblicken thematisiert die Gesprächsreihe vor allem aber die Frage, was es bedeutet, Projekte in einer kapitalistisch dominierten, globalisierten und digitalisierten Welt zu machen. Das Denken und Handeln in Projekten ist in alle gesellschaftlichen Feldern vorgedrungen, es prägt das Arbeitsumfeld und den privaten Bereich. Durch prekäre Arbeitssituationen bedingt und diese bedingend ist das Projektemachen heute relevanter denn je. Der Begriff Projective Age mag deshalb sowohl in ökonomischer als auch politischer Hinsicht zutreffend für das junge 21. Jahrhundert sein. Neu ist er dennoch nicht. Das Projekt-zeitalter hat Daniel Defoe in seinem 1697 erschienenen Text An Essay Upon Projects bereits ausgerufen und damit ein Paradigma der mit der Moderne einsetzenden neuen Arbeits- und Denkstruktur vorweggenommen.

Freiheit oder Prekariat?

Politisch gesehen ist das Projekt das Gegenteil der institutionalisierten Arbeitsstruktur, indem es sich flexibel gestaltet, unterschiedliche kreative Denkweisen zulässt und stets lösungsorientiert zu sein scheint. Das Projektemachen ist nicht nur wegweisend für vernetztes und globales Denken, sondern auch eine Bedingung dessen. Grundlage des Projekts ist das Netzwerk. Projekte können messbare Ergebnisse liefern, sie können effektiv sein, und sie sind temporär begrenzt. Aus genau diesen Gründen ist das Projekt auch ein willkommenes Werkzeug kapitalistischer Arbeitsweise. In großen Unternehmen arbeiten Menschen in mehreren Projekten gleichzeitig. Die Architektur von Konzernzentralen wird heute dem Projective Age entsprechend geplant, wie jüngst die Neubauten der Zentralen von Facebook und Google wieder zeigten. Dem klassischen Büro weichen Spaces und Environments, welche Kreativität und Teamarbeit und damit einen optimalen Output begünstigen sollen. Ebenso wie Projekte Freiheit von der klassischen Lohnarbeit erst ermöglichen, treiben sie auch das Prekariat voran. ArbeitgeberInnen minimieren in diesem Gefüge ihre Verpflichtungen auf der Grundlage sich verändernder arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen. Was aber bedeuten all diese komplexen, sich transformierenden Strukturen für die Zukunft der Projektemacherei? Im Sinne Lacans machen wir Projekte, um miteinander zu kommunizieren. Das Projekt gibt die Berechtigung, Dinge zu verhandeln, auch wenn die ProtagonistInnen aus unterschiedlichen Sparten kommen. Ein Projekt bietet letztlich den Rahmen für Austausch und gegenseitige Bestätigung. Es ist eine nützliche Hülle.

Projektskizzen und fragile Momente

Den Projektemacher*innen im MuseumsQuartier geht es darum, jene sensible Phase ihres Projekts öffentlich zu machen, in welcher die grundlegenden Entscheidungen fallen, aber auch die Kreativität am meisten gefragt ist. Diese geheimnisvollste Projektphase ist gleichzeitig die definitionsmächtigste, in der Visionen und Regeln gleichermaßen entstehen.

Am ersten Wochenende startet die Reihe mit dem Projekt Neue Wiener Festwochen: Akademie des Verlernens (Samstag, 05.09., 20.30 Uhr). Die Projektemacher sind Tomas Zierhofer-Kin, Nadine Jessen und Johannes Malle. Im zweiten Projekt mit dem Titel Ein Anti-Heimatfilm: Schwarzes Gold und Gelber Stern (Sonntag, 06.09., 20.30 Uhr) geht es ums Filmemachen. ProjektemacherInnen sind die belgische Filmemacherin Nadine Borgers und der französische Historiker Jérôme Segal.

Am zweiten Wochenende diskutieren die ProjektemacherInnen Philipp Ekardt und Barbara Vinken das Projekt Die kommende Mode anschauen: Denken am Rande des Laufstegs (Samstag, 19.09., 20.30 Uhr). Es folgt das Projekt Postmonetäre Ökonomie: Welt ohne Geld mit Ralph und Stefan Heidenreich.



Eindrücke des ersten beiden Veranstaltungsabende finden Sie hier:
Die Projektmacher*innen: Szenen des Entwerfens – Part 1



Der Eintritt ist frei. Bei Schönwetter finden alle Veranstaltungen Open Air im Haupthof des MuseumsQuartiers statt, bei Schlechtwetter in der Arena 21.

  • Artikelbild
    foto: mq
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