IS-Terroristen sprengen Tempel in Palmyra

24. August 2015, 15:36
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Tempel von Baal Schamin mit großer Menge Sprengstoff zerstört – Unesco bezeichnet Sprengung als Kriegsverbrechen

Damaskus – Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat einen bedeutenden Tempel in der von ihr besetzten syrischen Oasenstadt Palmyra gesprengt. Der Tempel von Baal Schamin sei mit einer großen Menge Sprengstoff in die Luft gejagt worden, sagte der Direktor der syrischen Antikensammlungen, Maamun Abdulkarim, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Zerstörung des Tempels. Das Gebäude sei in großen Teilen zerstört, sagte Abdulkarim. Bei der Explosion sei die sogenannte Cella des Tempels, ihr innerster heiliger Bereich, zerstört worden. Die umgebenden Säulen seien eingestürzt. "Unsere schlimmsten Befürchtungen erfüllen sich gerade", sagte Abdulkarim.

Unesco: Zerstörung ist neues Kriegsverbrechen

Die Weltkulturerbeorganisation der Vereinten Nationen (Unesco) stufte die Sprengung als Kriegsverbrechen ein. "Diese Zerstörung ist ein neues Kriegsverbrechen sowie ein riesiger Verlust für das syrische Volk und die Menschheit", sagte Unesco-Chefin Irina Bokova am Montag. "Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden", bekräftigte sie.

Seit der IS im Mai Palmyra eroberte, gibt es große Sorge um die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden antiken Schätze der Stadt. Mehrere Mausoleen und Skulpturen wurden Medienberichten zufolge bereits zerstört und die größeren Ruinen vermint. Die Jihadisten betrachten die Ausstellung von Statuen und die Verehrung von Mausoleen als "Götzendienst".

"Perle der Wüste"

Das auch als "Perle der Wüste" berühmte Palmyra liegt etwa 210 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus. Namentlich erwähnt wurde die Siedlung bereits im 19. Jahrhundert vor Christus als Oase, an der die von der Seidenstraße über die Golfregion in den Mittelmeerraum ziehenden Karawanen Rast machten. Seine volle Blüte erreichte Palmyra in der römischen Zeit, etwa im ersten vorchristlichen Jahrhundert.

Der vom IS zerstörte Tempel des Baal Schamin wurde im Jahr 17 errichtet. Unter dem römischen Kaiser Hadrian wurde er im Jahr 130 erweitert.

Abdulkarim berichtete am Sonntag auch von weiteren Zerstörungen, die der IS in der antiken Stadt anrichtete. Im Juli sei die berühmte Löwenstatue von Athena zerstört worden. Ein Museum sei in ein Gefängnis mit Gerichtssaal umgewandelt worden. Im antiken Theater seien Hinrichtungen vollzogen worden, sagte der Direktor der syrischen Antikensammlungen.

International für Entsetzen sorgte in der vergangenen Woche die grausame Hinrichtung des früheren Chefarchäologen von Palmyra, Khaleed al-Assaad. Der 82-Jährige wurde enthauptet, sein Leichnam in den Ruinen von Palmyra aufgehängt. Nach Angaben eines seiner Söhne wurde die Leiche anschließend von IS-Kämpfern zerstückelt. (APA, 24.8.2015)

Palmyra droht zum zweiten Mal die Zerstörung

Hinweis

Fälschlicherweise hat derStandard.at zuerst im Titel behauptet, dass der Baal-Tempel zerstört worden wäre. Richtig ist (wie auch im Text angeführt): Der Tempel von Baal Schamin ist betroffen. Beide Tempel stehen auf demselben Gelände.



Religiöse Fanatiker zerstörten weltweit Kulturdenkmäler – Ein Auszug

Aus religiösem Fanatismus haben Extremisten schon mehrfach wertvolle Kulturdenkmäler zerstört. Neben jüngsten Zertrümmerungen in Syrien, demolierten die Anhänger der jihadistischen Organisation "Islamischer Staat" (IS) auch bereits zahlreiche antike Stätten im Irak. Auch in Mali, Indien und Afghanistan fielen Kunstwerke und antike Stätten religiösen Fanatikern zum Opfer. Ein Überblick:

PALMYRA (Tadmor): Die IS-Jihadisten zerstörten im syrischen UNESCO-Weltkulturerbe Palmyra den rund 2.000 Jahre alten Tempel Baal Shamin. Bereits im Juni hatten die radikalsunnitischen Extremisten in dem antiken Ruinengelände Sprengstoff platziert.

MAR ELIAN: Die IS-Fantiker zerstörten in Zentralsyrien das christliche Kloster Mar Elian aus dem 5. Jahrhundert. Im Internet zeigten die Extremisten am 21. August, wie sie mit Planierraupen die Mauern niederreißen.

NINIVE: Im Februar 2015 zerstörten die IS-Anhänger im Museum der nordirakischen Stadt Mosul (Mossul) und an der Grabungsstätte Ninive Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit. Die historische Stadt Nimrud südlich von Mosul sollen die Jihadisten mit Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht.

TIMBUKTU: In der Wüstenstadt im Norden Malis zerstörten radikalislamistische Ansar-Dine-Rebellen 2012 mehrere Jahrhunderte alte muslimische Mausoleen. Sie begründeten ihre Taten damit, dass die Stätten mit den Überresten islamischer Gelehrter der Heiligenverehrung gedient hätten.

BAMIYAN-TAL: In Afghanistan sprengten die radikalislamistischen Taliban 2001 zwei monumentale Buddha-Statuen. Die in den Fels geschlagenen Figuren waren Zeugen der präislamischen Vergangenheit Afghanistans.

AYODHYA: Fanatische Hindus verwandeln 1992 die Babri-Moschee im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh in ein Trümmerfeld, um an deren Stelle einen Tempel zu bauen. Angeblich wurde die Moschee 1528 an einem Ort errichtet, wo zuvor ein Hindutempel gestanden hatte.

  • Der Baal Schamin-Tempel vor seiner Zerstörung.
    foto: imago

    Der Baal Schamin-Tempel vor seiner Zerstörung.

  • Die Ruinenstadt Palmyra gehört zum Weltkulturerbe.
    foto: ap/sana

    Die Ruinenstadt Palmyra gehört zum Weltkulturerbe.

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