Alles, was noch ein Glück ist

Einserkastl23. August 2015, 18:03
5 Postings

Gesundheit wird heutzutage als selbstverständlich angenommen

"Alles, was ein Mann schöner is wie ein Aff', is ein Luxus", sagte Friedrich Torbergs Tante Jolesch mit entwaffnender Auswegslosigkeit. Ich gehe noch weiter und behaupte, dass alles, was man noch gesund ist, ein Luxus ist.

In einer Zeit, in der die Medizin so allmächtig zu sein scheint, in einer Zeit, in der uns Zellulitis und unreine Haut von diversen Konzernen bereits als Erkrankung verkauft werden, ebenso wie nicht perfekt genug ausgeformte Geschlechtsorgane – aber kein Problem, man kann alles beheben! – in so einer Zeit wird man ab und zu undankbar.

Diese Undankbarkeit zeigt sich in einem Festhalten an der Überzeugung, dass der glücklicherweise gesunde Zustand des eigenen Körpers eine Grundvoraussetzung ist, ein Starterpack für das weitere Leben und die geringsten Abweichungen vom Idealzustand eine Sauerei seitens des Schicksals.

Dem ist leider nicht so. Krankheit kann jeden treffen, und jeder, der nicht getroffen wurde, sollte sich eigentlich jeden Tag seines Lebens darüber freuen und nicht davon ausgehen, dass es, wenn es denn doch trifft, bestimmt die anderen trifft. Wie viel Zeit man hätte besser nutzen können, statt über große Nasen und dellige Oberschenkel, über nicht übermäßig muskulöse Oberarme, unkantige Kinnladen und fehlende Sixpacks zu trauern. Wir vergessen so gern, dass das Leben endlich ist. (Julya Rabinowich, 23.8.2015)

Share if you care.