Israels Angriffspläne gegen den Iran: Was wäre gewesen, wenn ...

Kommentar23. August 2015, 17:46
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Israels erste konkrete Pläne zum Angriff auf die iranischen Atomanlagen fielen in die Zeit, als der Iran in der geheim gebauten unterirdischen Anlage Fordow erstmals auf 20 Prozent angereichertes Uran produzierte

Wie würde der Nahe Osten heute aussehen, hätte Israel den Schritt getan, vor dem es laut dem damaligen Verteidigungsminister Ehud Barak zwischen 2010 und 2012 mehrmals stand: den Iran militärisch anzugreifen? Wären neben den Terroristen des "Islamischen Staats" und Al-Kaidas auch schiitische Kommandos im Westen unterwegs? Oder hätte sich der sunnitische Jihadismus gar nicht so entwickelt, der ja auch auf der Annahme einer Allianz von "Safawiden-Zionisten-Kreuzrittern" basiert? (Safawiden sind in der Terminologie der Jihadisten Iraner/Schiiten.) Hätten die arabischen Golfstaaten, müssten sie den Iran weniger fürchten, weniger auf die Unterstützung sunnitischer Extremisten in Syrien gesetzt?

Und wie wäre heute das iranische Atomprogramm beschaffen? Eine laufende Urananreicherung gäbe es wohl nicht mehr. Wäre dafür die politische Entscheidung der iranischen Führung, sich Atomwaffen anzuschaffen – nicht nur die Technologie dazu -, inzwischen gefallen?

Israels erste wirklich konkrete Pläne zum Angriff auf die iranischen Atomanlagen fielen, wie man nun von Barak weiß, in die Zeit, als der Iran in der geheim gebauten unterirdischen Anlage Fordow erstmals auf 20 Prozent angereichertes Uran produzierte. In Israel schrillten die Alarmglocken. Aber ebenso entsetzt war die israelische Regierung, als sich ungefähr gleichzeitig abzeichnete, dass die westliche Entschlossenheit, dem Iran das Anreichern prinzipiell zu verbieten, bröckelte. Damals begann sich langsam die Ansicht durchzusetzen – auch in der US-Regierung -, dass dem Iran ein ziviles Atomprogramm nicht zu verweigern sei und man stattdessen daran arbeiten müsse zu verhindern, dass es jemals militärisch würde.

2012 begann der Iran, seinen Bestand von angereichertem Uran selbst so zu regulieren, dass er nicht die von Premier Benjamin Netanjahu in seiner Uno-Rede gezogene "Rote Linie" überschritt. Die iranische Entscheidungsfinding in nuklearen Dingen sei "von einem Kosten-Nutzen-Ansatz geleitet, der der internationalen Gemeinschaft Gelegenheit bietet, Teheran zu beeinflussen", formulierte damals der US-Geheimdienstdirektor James R. Clapper.

Genau das wurde zur Basis des aktuellen Atomdeals. Viel zu wenig wird berichtet, wie viele ehemalige Offizielle aus dem israelischen Sicherheitsapparat sich bereits für ihn ausgesprochen haben. Denn sie kennen den Krieg und wissen, was man mit ihm erreichen kann – und was nicht. (Gudrun Harrer, 24.8.2015)

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