G'schmackiges Segeln vor Rio

23. August 2015, 17:12
8 Postings

Die Annahme, dass die Segler Österreichs schönsten Hoffnungen auf olympische Medaillen tragen, wurde in den vergangenen Tagen vor Rio de Janeiro bestätigt. Den schnellsten Vorstoß unter die Aussichtsreichen haben Thomas Zajac und Tanja Frank hinter sich

Rio de Janeiro / Wien – Das Beste kam zum Schluss – Start-Ziel-Sieg im Medal Race, 18 Sekunden vor der restlichen Flotte. Thomas Zajac und Tanja Frank beendeten die Olympiageneralprobe für 2016 dennoch nur auf Rang acht, weil das Nacra17-Duo nach Zajacs Dafürhalten "speziell taktisch" sein Potenzial nicht ausschöpfen konnte. "Wir haben uns das Leben mit vielen kleinen Fehlern unnötig schwer gemacht."

Der bald 30-jährige Wiener nahm damit auf seine Kappe, was kaum als Versagen anzusprechen ist. Schließlich steuert er erst seit 2013 diesen Katamaran, der vor allem wegen seiner Mixed-Besatzung Gnade vor den Augen der Olympier fand. Von Beginn an mit ihm an Bord des Multihull, der sich auch wegen seines Steckschwerts bei Höchstgeschwindigkeit aus dem Wasser zu erheben pflegt, ist Tanja Frank. Sie ist erst 22, aber nicht minder routiniert, weil sie seit ihrem dritten Lebensjahr segelt – die Mama ist schließlich Mitbesitzerin einer Segelschule am Neusiedler See. Während Zajac schon einen Tornado und im 49er mit Ex-Partner Thomas Czajka steuerte, war Frank in einem 420er mit der aktuellen 470er-Weltmeisterin Lara Vadlau Vorschoterin. Das ist die 1,68 Meter große, rund 55 Kilogramm schwere Wienerin geblieben, obwohl diese Position in einem gemischten Team eigentlich der Kräftigere einnehmen sollte. "Es ist aber leichter, Kraft zu trainieren als Gefühl", sagt Frank. Inzwischen werden zwei Drittel der Nacra17 von Männern gesteuert – eine Folge des Andrangs bei einer neuen olympischen Klasse.

Routine ist im olympischen Segelrevier, innerhalb und eingangs der 380 Quadratkilometer großen Guanabara-Bucht mit ihren nur schwer berechenbaren Wind- und Strömungsverhältnissen, ein wertvolles Gut. Gesegelt wird auf je drei Bahnen innerhalb und außerhalb der Bucht. "Es ist schon ein großer Unterschied, ob man direkt unter dem Zuckerhut oder zwischen den Inseln in der Bucht unterwegs ist", sagt Frank, die mit ihrem Partner und der restlichen österreichischen Flotte bereits gut 160 Segeltage vor Ort intus hat.

Rein äußerlich hat sich in dieser Zeit einiges geändert. Noch vor wenigen Wochen stießen österreichische Trainer bei Strömungsmessungen innerhalb der Bucht auf Leichenteile im Wasser. Mittlerweile werden die Zuflüsse in die Gewässer im westlichen Teil der Olympiastadt besser kontrolliert. "Wir haben zumindest schon lange keine Eiskästen herumtreiben gesehen", sagte Nico Delle Karth, der mit seinem Partner Niko Resch im 49er Zweiter der Generalprobe wurde.

Der Augenschein ist allerdings nicht alles. Die bakteriologische Belastung des Gewässers ist derart hoch, dass der Gedanke an Kenterungen beängstigender als ohnehin schon ist. Immer wieder fiebern Segler oder leiden an Brechdurchfällen. Schürfwunden sind nicht immer zu vermeiden, aber den Athleten wird dringend angeraten, nur durch die Nasen zu atmen. In europäischen Gewässern wären Regatten unter diesen Umständen kaum vorstellbar, "aber Segler sind Kummer gewöhnt", sagt Frank.

Erholung winkt ab 3. September bei den Meisterschaften der olympischen Klassen auf dem Neusiedler See. Ab 8. September warten drei weitere g' schmackige Wochen im Olympiarevier. Und das Beste kommt zum Schluss. (Sigi Lützow, 24.8.2015)

  • Tanja Frank und Thomas Zajac erheben sich in der Nacra17-Klasse regelmäßig aus den fragwürdigen Gewässern des olympischen Reviers.
    foto: maximilian kiefhaber

    Tanja Frank und Thomas Zajac erheben sich in der Nacra17-Klasse regelmäßig aus den fragwürdigen Gewässern des olympischen Reviers.

  • Thomas Zajac und Tanja Frank segeln seit 2013 zusammen.
    foto: maximilian kiefhaber

    Thomas Zajac und Tanja Frank segeln seit 2013 zusammen.

Share if you care.