Bolt in 9,79 zum Titel über 100 Meter

23. August 2015, 15:23
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Jamaikaner setzte sich im Finale eine Hundertstel-Sekunde vor dem favorisierten Justin Gatlin durch – Kanadier Andre de Grasse und US-Amerikaner Trayvon Bromell ex aequo Dritte – Siebenkampf: Traum-Comeback von Ennis-Hill

Peking – Im Halbfinale ist er noch gestolpert, im Finale haben die Nerven gehalten: Usain Bolt hat am Sonntag bei der Leichtathletik-WM in Peking das Finale über 100 m in 9,79 Sekunden gewonnen. Der Jamaikaner setzte sich um eine Hundertstel-Sekunde vor Mitfavorit Justin Gatlin (USA/9,80) durch. Ex-Aequo-Dritte wurden der kanadische Überraschungsmann Andre de Grasse (9,92) und Trayvon Bromell (USA). Der Weltrekord von Bolt (9,58) war nicht in Gefahr.

Vor dem Showdown klatschten Bolt und Gatlin sogar noch kurz ab, die beiden respektieren sich. Am Ende hatte Bolt die besseren Nerven und bewahrte die Leichtathletik davor, noch weiter in ihrer Krise zu versinken. Auch der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe dürfte aufatmen. Ein 100-m-Weltmeister Gatlin wäre nach den jüngsten Doping-Enthüllungen ein PR-Desaster gewesen.

Gatlin gilt in der Szene als äußerst umstritten. Mit einem Sieg wäre er zum ältesten 100-m-Weltmeister der Geschichte aufgestiegen, obwohl er bereits zwei Mal wegen Dopings gesperrt (2001 und 2006 bis 2010) war. In diesem Jahr lief er trotzdem so schnell wie nie zuvor.

"Entspannt" zum neunten Titel

Stattdessen strickte Bolt an dem Ort, wo vor sieben Jahren bei Olympia alles begann, seine Legende weiter. Der Hüne aus Kingston sicherte sich seinen insgesamt neunten WM-Titel. Über die 100-m-Distant gewann der Olympiasieger nach 2009 und 2013 sein drittes Gold und zog damit mit Carl Lewis (1983, 1987 und 1991) und Maurice Greene (1997 bis 2001) gleich.

"Ich bin hier raus gekommen, entspannt, ohne Stress und habe es nach Hause gebracht. Mein Ziel ist es, die Nummer eins zu sein, bis ich zurücktrete. Und dafür treibe ich mich immer wieder an. Das Rennen war ein bisschen eingerostet, ich hätte schneller laufen können", sagte Bolt. "Das bedeutete mir sehr viel. Es war eine lange Saison. Ich bin von einer Verletzung zurückgekehrt."

Dabei hätte er den Endlauf beinahe verstolpert: Bolt war im Halbfinale nach dem Start mit der Schuhspitze an der Bahn hängengeblieben, fing sich aber und holte den Rückstand knapp vor der Ziellinie auf. Er kam als Erster in 9,96 weiter. Gatlin hingegen hatte da 9,77 hingelegt.

Gatlin hatte den Zweikampf vor der WM schon mit dem legendären Box-Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman 1974 verglichen und sich voller Selbstvertrauen gezeigt. "Das wird wie der Rumble in the Jungle", hatte er gesagt. Doch wie damals Ali gewann auch diesmal der Favorit der Fans. Gatlin kassierte seine erste Niederlage seit 716 Tagen.

Dabei sah es während der Saison lange so aus, als wäre Gatlin nahezu unschlagbar. Bolt kam zunächst überhaupt nicht in die Gänge und lief für seine Verhältnisse schwache Zeiten. Doch dann meldete er sich zurück: Bei einem Meeting in London schaffte er Ende August 9,87 Sekunden. Spätestens da wusste man, dass mit dem Weltrekordler zu rechnen sein wird.

In Peking will der ohnehin schon erfolgreichste Athlet der WM-Geschichte seinen Trophäenschrank noch weiter auffüllen das Triple von 2013 in Moskau wiederholen: Siege über 100, 200 und mit der 4x100-m-Staffel.

Ennis-Hill nach Babypause wieder voll da

Im Siebenkampf gelang Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill aus Großbritannien nach ihrer Babypause ein traumhaftes Comeback. Ein Jahr nach der Geburt von Sohn Reggie gewann die 29-Jährige mit 6669 Punkten Gold vor Brianne Theisen-Eaton aus Kanada (6554 Punkte). Bronze holte die Lettin Laura Ikauniece-Admidina (6516).

Ennis-Hill hatte ihren Start in Peking bis zum Schluss offen gelassen, weil sie sich eigentlich ganz gezielt auf die Olympischen Spiele hatte vorbereiten wollen. Doch weil die Form stimmte, ließ sie ihren Reggie für den Traum vom WM-Gold dann doch schweren Herzens zu Hause in Sheffield. "Der Abschied war einer der schwierigsten Momente meines Lebens. Ich war sehr emotional", sagte sie. Aber: "Ich wollte ihm den langen Flug, den Smog und das Klima hier ersparen." (red, 23.8.2015)

ERGEBNISSE, Leichtathletik-WM am Sonntag:

Männer

100 m (0,5 m Gegenwind):

Gold: Usain Bolt (Jamaika) 9,79 Sekunden
Silber: Justin Gatlin (USA) 9,80
Bronze: Andre De Grasse (Kanada) 9,92 und Trayvon Bromell (USA) 9,92

5. Mike Rodgers (USA) 9,94
6. Tyson Gay (USA) 10,00
7. Asafa Powell (Jamaika) 10,00
8. Jimmy Vicaut (Frankreich) 10,00
9. Su Bingtian (China) 10,06

20 km Gehen

Gold: Miguel Angel Lopez (Spanien) 1:19:14 Stunden
Silber: Wang Zhen (China) 1:19:29
Bronze: Benjamin Thorne (Kanada) 1:19:57,

4. Igor Glawan (Ukraine) 1:20:29, 5. Cai Zelin (China) 1:20:42, 6. Caio Bonfim (Brasilien) 1:20:44, 7. Eider Arevalo (Kolumbien) 1:21:13, 8. Dane Bird-Smith (Australien) 1:21:37, 9. Chen Ding (China) 1:21:39, 10. Kim Hyun-Sub (Südkorea) 1:21:40.

Kugelstoßen

Gold: Joe Kovacs (USA) 21,93 m
Silber: David Storl (Deutschland) 21,74
Bronze: O'Dayne Richards (Jamaika) 21,69,

4. Tomas Walsh (Neuseeland) 21,58, 5. Reese Hoffa (USA) 21,00, 6. Tomasz Majewski (Polen) 20,82, 7. Asmir Kolasinac (Serbien) 20,71, 8. Jacko Gill (Neuseeland) 20,11, 9. Germán Lauro (Argentinien) 19,70, 10. Jan Marcell (Tschechien) 19,69, 11. Inderjeet Singh (Indien) 19,52.

Hammerwerfen

Gold: Pawel Fajdek (Polen) 80,88 m
Silber: Dilschod Nasarow (Tadschikistan) 78,55 (zweitbester Versuch 78,06)
Bronze: Wojciech Nowicki (Polen) 78,55 (77,20),

4. Krisztián Pars (Ungarn) 77,32, 5. Sergej Litwinow (Russland) 77,24, 6. David Söderberg (Finnland) 76,92, 7. Mostafa Elgamel (Ägypten) 76,81, 8. Marcel Lomnický (Slowakei) 75,79, 9. Ashraf Amgad Elseify (Katar) 74,09, 10. Tuomas Seppänen (Finnland) 73,18, 11. Nick Miller (Großbritannien) 72,94, 12. Roberto Janet (Kuba) 72,50.

Frauen:

Siebenkampf

Gold: Jessica Ennis-Hill (Großbritannien) 6669 Punkte
Silber: Brianne Theisen Eaton (Kanada) 6554
Bronze: Laura Ikauniece-Admidina (Lettland) 6516,

4. Nadine Broersen (Niederlande) 6491, 5. Claudia Rath (Deutschland) 6441, 6. Györgyi Zsivoczky-Farkas (Ungarn) 6389, 7. Anastasia Mochnyuk (Ukraine) 6359, 8. Nadine Visser (Niederlande) 6344, 9. Xénia Krizsán (Ungarn) 6322, 10. Jennifer Oeser (Deutschland) 6308.

Die Einzelleistungen von Jessica Ennis-Hill: (100 m Hürden: 12,91 Sek. – Hoch: 1,86 m – Kugel: 13,73 m – 200 m: 23,42 Sek. – Weit: 6,43 m – Speer: 42,51 m – 800 m: 2:10,13 Min.),

  • Erster!
    foto: reuters/david gray

    Erster!

  • Knappe Angelegenheit.
    foto: epa/how hwee young

    Knappe Angelegenheit.

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