Zelte und Container made in Austria

23. August 2015, 16:25
16 Postings

Heimische Geschäfte, über die nicht jeder gerne spricht

Heimische Firmen können von der Flüchtlingssituation in Österreich profitieren. Etwa wenn es darum geht, Unterkünfte zu organisieren.

Heiß verlief vergangene Woche die Diskussion über den Kaufpreis für 700 Wohncontainer, die vom Innenministerium bei einer niederösterreichischen Firma bestellt wurden. Nachdem der ORF über Beschwerden von Mitbewerbern über angeblich überhöhte Preise berichtet hatte, kündigten die Grünen eine parlamentarische Anfrage an. Im Innenministerium hieß es, der Preis von zwölf Millionen Euro gelte für insgesamt 1200 Container. Die Firma merkte an, dass der Kostenanteil am Gesamtauftrag knapp 40 Prozent der zwölf Millionen betrage. Darin seien nämlich auch gesondert vergebene Leistungen wie Kanal und Strom oder die Innenausstattung inkludiert. Als Krisengewinner steht eben niemand gerne da -

auch nicht das private Sicherheitsunternehmen Siwacht, Teil der österreichischen CKV Gruppe und von ORS mit Sicherheitsaufgaben im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen betraut. Wie hoch das Auftragsvolumen ist? Man verweist auf das Innenministerium. Das spielt den Ball an ORS weiter. Siwacht sei das einzige Subunternehmen, das man beauftrage, sagt ORS-Chef Wilhelm Brunner, aber natürlich habe man noch "eine Vielzahl von Lieferanten, die uns Gemüse, Fleisch, Teigwaren täglich anliefern – Kleidung, Decken und Hygieneartikel ebenso. In den anderen Unterkünften ist dies genauso."

Jene Zelte, die das Ministerium zum Stückpreis von 2000 Euro vom Roten Kreuz bezog, wurden von zwei heimischen mittelständischen Firmen erzeugt. Die Feldbetten zum Preis von je 40 Euro kommen mangels heimischer Alternative aus dem Ausland.

Geld, das im Dorf bleibt

Wer sich traut, über die heikle Materie zu sprechen, ist Dieter Posch, SPÖ-Bürgermeister im burgenländischen Neudörfl. Natürlich gebe es eine "gewisse Wertschöpfung" im Dorf, sagt er. Neudörfl beherbergt das seit 26 Jahren von der Caritas gemanagte Haus Sarah – ein Vorzeigemodell. 56 junge Männer wohnen hier.

"Die bekommen ihr Geld und gehen einkaufen. Das bleibt im Dorf." Und: Jeder, der hier wohnt, ist hier hauptgemeldet, das schlägt sich auch im Finanzausgleich nieder. "Außerdem ist das Haus ständig im Umbau. Maurer, Dachdecker, Installateure, alle heimischen Firmen können Angebote legen."

Aufträge für heimische Handwerker bringen auch Holzhäuser, für die sich erste Gemeinden zu interessieren beginnen. Sie sind preisgünstiger und attraktiver als Container. (cms, rebu, 24.8.2015)

Share if you care.